Neubrandenburger A.Dittmer peilt in Peking Karriere-Ende an …

Mecklenburg-Vorpommern, speziell Neubrandenburg, ist eine Hochburg des Kanu-Rennsportes weltweit. Namen wie z.B. Alexander Slatnow, Rüdiger Helm und natürlich Andreas Dittmer stehen für die Erfolgsgeschichte des Neubrandenburger Kanusportes.

W.RohdeIm letzten Jahr gaben die Kanu-Sportfreunde Walter Rohde und Karl-Heinz Martens, mit Unterstützung zahlreicher weiterer Kanusport-Anhänger in ganz M-V, eine Chronik zur Geschichte dieser Sportart in unserer Region heraus.

„Wir haben die Gründung und Entwicklung der verschiedenen Kanu-Vereine seit 1920 erforscht. Viele interessante Details konnten wir dabei `ausgraben`. Mit der Geschichte von 60 Kanu-Vereinen in ganz Mecklenburg-Vorpommern haben wir uns intensiv befasst.

Sehr engagiert bei der Etablierung unseres Sportes waren Wismar, Rostock, Schwerin, Wittenberge, Prenzlau, Bützow oder Neubrandenburg. Während in der jüngeren Geschichte der Kanu-Rennsport in Rostock und Neubrandenburg dominierte, hatte bzw. hat Kanu-Polo in Rostock, Wolgast, zum Teil in Neubrandenburg seine Heimat und ist Kanu-Slalom vor allem in Bützow beliebt. Viele ältere Sportfreunde gaben zudem Einblicke in ihr kanusportliches Leben.

Die Biographien besonders erfolgreicher Kanutinnen und Kanuten haben wir natürlich in unserer Broschüre berücksichtigt !“, berichtet Autor Walter Rohde über den Inhalt seiner Publikation, die 180 Seiten zählt und deren Herausgabe auch vom Landessportbund M-V unterstützt wurde.

A.Slatnow„Der Kanu-Rennsport in M-V ist besonders in den letzten 35 Jahren eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Kanutinnen und Kanuten aus unserem Bundesland konnten bei Olympia zwischen 1972 und 2004 13 Goldmedaillen, 4 Silbermedaillen und 6 Bronzemedaillen gewinnen.

Den Anfang machte 1972 die Neubrandenburgerin Ilse Kaschube, den vorläufigen Schlußpunkt setzte 2004 Andreas Dittmer. Bei Weltmeisterschaften erkämpften unsere Kanu-Sportler sogar 57 WM-Titel. Die erste WM-Goldmedaille errang 1971 Alexander Slatnow.

C.ZirzowAber auch Namen wie Anke Nothnagel, Ramona Portwich, Roswitha Eberl, Olaf Winter oder eben Andreas Dittmer sprechen für sich.”, kennt der Schweriner Walter Rohde auch die statistische Medaillen-Bilanz der M-V-Athleten.

Für einen der Besten des Kanu-Rnnsportes, vielleicht sogar den besten Canadier aller Zeiten, Andreas Dittmer, schließt sich in Peking nicht nur der „olympische Reigen“. Der bodenständige, erfolgreiche und sympathische Sportler vom Tollensesee wird 2008 seine einzigartige sportliche Laufbahn beenden …

Steckbrief – Andreas Dittmer

Andreas DittmerVerein: Sc Neubrandenburg – Geburtsjahr: 1972 in: Neustrelitz – Disziplin: Kanu-Rennsport/Canadier – Beruf: Bankkaufmann, Sparkassenbetriebswirt / Sportsoldat – Hobbies: Skilanglauf, Radsport – Kanusportler seit: 1982 – Homepage: www.andreasdittmer.com – Sportliche Erfolge: Olympische Spiele – 3xGold / 1xSilber / 1xBronze, WM: 8xGold / 4xSilber / 10xBronze, EM: 5x Gold / 8xSilber / 2xBronze

„Erfolgreiche Karriere beenden !“

Frage: Die vorolympischen Wettkämpfe auf der Regatta-Strecke in Peking verliefen mit Rang drei über 1000 Meter und Platz 1 über 500 Meter äußerst erfolgreich. Wie sind die Bedingungen vor Ort ? Die vierte Goldmedaille ist wohl „Pflicht“ ?!

Andreas Dittmer: Ich denke, kein Sportler auf der Welt ist verpflichtet, eine Medaille zu gewinnen … Die Wettkampfstätten in Peking sind von ausgezeichneter Qualität, es lässt faire Wettkämpfe erwarten.

Frage: Die Weltspitze rückt auch im Kanu-Rennsport immer enger zusammen. Europäer, Nordamerikaner und Australier sind die Kanu-Hochburgen der Welt, aber mit China steht bereits eine neue Kanu-Macht bereit. Seit der frühere deutsche National-Coach Josef Capousek die chinesische Nationalmannschaft betreut, sind diese auch auf (Olympia-)Medaillenkurs. Verfolgen Sie die Leistungsentwicklung in Fernost mit Spannung ?

A.DittmerAndreas Dittmer: Die Chinesen haben bei der letzten WM 2 Medaillen erreicht. Unter anderem in meiner Disziplin. Sie sind sicher bei den Spielen zu beachten. Dennoch sehe ich beim chinesischen Team zur Zeit eine rückläufige Entwicklung, denn es war ihr schlechtestes Resultat bei einer WM in den vergangenen Jahren.

Frage: Bis Peking fließt noch viel Wasser und Schweiß – auch bei den Kanuten. Was sind die wichtigsten Vorbereitungsetappen bis Peking ?

Andreas Dittmer: In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele nehme ich noch an der EM in Mailand teil. Es folgen 2 Weltcups in Ungarn und Deutschland. Bis dahin sind die letzten Ticket für Peking vergeben.

Frage: Konnten Sie bereits das olympische Dorf 2008 inspizieren ? Wo gefiel es Ihnen dabei bisher am besten: 1996, 2000 oder 2004 ?

Andreas Dittmer: Das Olympische Dorf habe ich noch nicht gesehen. Jedes Dorf hat seine Eigenheiten. In Athen waren die Unterkünfte am besten, Sydney hatte ein sehr familiäres Flair.

Frage: Welche Schlagzeile möchten Sie am liebsten nach Peking über sich lesen ?

A.DittmerAndreas Dittmer: Andreas Dittmer beendet erfolgreich seine Karriere !

Weiterer potentieller Olympia-Kandidat im Kanu-Rennsport für Peking aus Neubrandenburg:

Sehr große Chancen auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2008 hat auch der 1981 in Berlin geborene und für den SC Neubrandenburg startende Thomas Lück.
Gerade die letzten drei Jahre waren für den SCN-Kanuten Thomas Lück sehr „golden“: Bei der WM im ungarischen in Szeged 2006 holte er zusammen mit Robert Nuck (Leipzig), Stefan Holtz (früher Neubrandenburg/nun Karlsruhe) und Stephan Breuing (Bochum) über 1000 m den ersten WM-Titel in der Geschichte des deutschen Kanu-Verbandes im Vierer-Canadier.
Im Jahr 2006 verteidigte er zudem in der gleichen Disziplin den 2005 erkämpften EM-Titel.
Bei der Heim-WM 2007 in Duisburg errang er mit Robert Nuck, dem gebürtigen Neubrandenburger Stefan Holtz, (fur Karlsruhe startend) sowie Sebastian Brendel einen erneuten Sieg im Vierer-Canadier.

Olympische „Kanu-Meilensteine“ für M-V: Von Ilse Kaschube bis Andreas Dittmer

Der gebürtige Neustrelitzer Andreas Dittmer, der seine Kanu-Rennsport-Karriere 1982 bei „Motor Süd Neubrandenburg“ im Alter von 10 Jahren begann, ist der erste Kanute aus Mecklenburg-Vorpommern, der Medaillen bei drei verschiedenen Olympischen Spielen erkämpfte.
Rüdiger Helm und Bernd Olbricht, auch „Kanu-Kollegen“ aus Neubrandenburg, gewannen ihre Goldmedaillen (Helm 3 x / Olbricht 2 x) in Montreal 1976 und Moskau 1980.

Der olympische Medaillen-Regen für Kanutinnen und Kanuten aus M-V begann übrigens mit der Silbermedaille von Ilse Kaschube (Neubrandenburg) 1972 im K2-500 m; seither schrieben, beispielsweise, Anke von Seck (Rostock / 3 x Gold 1988/92), Carola Zirzow (Neubrandenburg / 1 x Gold 1976) oder Ramona Portwich (Rostock / 1 x Gold 1988) die mecklenburgisch-vorpommersche „Kanu-Historie“ mit.

Insgesamt lautet die olympische Kanu-Bilanz für M-V zwischen München 1972 und Athen 2004 folgendermaßen: 13 x Gold / 4 x Silber / 6 x Bronze – und Andreas Dittmer ist mittlerweile der erfolgreichste Kanute (3 x Gold / 1 x Silber / 1 x Bronze).

Marko Michels

Foto: A.D. privat (3), Autogrammkarte (1), M.M. (1), SCN (2)

PS: Zwar lief es bei der ersten Olympia-Quali in Duisburg für Andreas Dittmer nur „suboptimal“, aber mit Blickrichtung Peking wird der „Mr. Kanusport“ alle Kräfte mobilisieren. Viertes Gold bei den vierten Spielen – das wäre gelebte Sport-Historie ! M.M.