„Ich habe mir meine Ideale bewahren können …“

WahlenNoch ein Monat bis zu den Bundestagswahlen 2009. Alles ist offen … Zwar ist Bundeskanzlerin Dr.Angela Merkel die laut Umfragen zur Zeit beliebteste Politikerin, aber die CDU (ohne CSU) erhält in den verschiedenen Umfragen zwischen 28 und 30 Prozent.

Die Union insgesamt kann auf 36 Prozent hoffen, wobei – laut „Experten“, also den Demoskopen – die Union ihr aktuelles Wählerreservoir bereits ausschöpfte. Die SPD dümpelt – wie in Beton gegossen – bei 23 Prozent umher und hofft – wie 2005 – auf ein „Wunder“ am Wahltag.

Auf Wunder hoffen die vermeintlich kleinen Parteien, die immer größer werden, nicht. Die FDP könnte laut Umfragen bis zu 15 Prozent erhalten, die LINKE bis zu 11 Prozent. Bündnis 90/Die Grünen erhalten Umfrage-Werte von bis zu 13 Prozent. Beim echten Stimmungstest vor den Bundestagswahlen, den Europawahlen Anfang Juni, gab es für die vermeintlichen Volksparteien CDU, CSU und SPD herbe Verluste, während FDP, Grüne und LINKE mehr oder minder deutlich zulegten.

Bündnis 90/Die Grünen wurden dabei drittstärkste politische Kraft.
Seit 1983 ergrünt mittlerweile der deutsche Bundestag. Seit 26 Jahren sind die Grünen aus dem „hohen Haus“ nicht mehr wegzudenken, auch wenn zwischen 1990 und 1994 nur die ostdeutschen Vertreter die „grüne Fahne“ im Bundestag hoch hielten.

Grüne SchwerinVon 1998 bis 2005 waren die Grünen Regierungspartner der SPD im Bund, sahen sich als Motor des rot-grünen Projektes. Ansonsten regierte und regiert man inzwischen in Bund, Ländern und Kommunen kräftig und erfolgreich mit, bewies Koalitionsfähigkeit in rot-grünen, rot-gelb-grünen und schwarz-grünen Bündnissen und ist als Partner heiß begehrt.
Die SPD buhlt um die Gunst der Grünen, die CDU/CSU ebenfalls.

Nichts ist ausgeschlossen … Weder Schwarz-Gelb, Schwarz-Rot, Schwarz-Grün, Rot-Grün, noch die „Ampel“ oder „Jamaika“.
Eines steht aber jetzt schon fest: Aus Schwerin bewirbt sich mit Silke Gajek eine grüne Power-Frau um den Einzug in den Bundestag …

Nachgefragt bei Silke Gajek …

> Frage: Frau Gajek, Sie wollen für Schwerin in den neuen Bundestag. Welche Ziele haben Sie ?

Silke Gajek– Silke Gajek: Ganz wichtig ist mir, dass in der bündnisgrünen Fraktion die demographische Entwicklung, insbesondere in den neuen Bundesländern, konkreter thematisiert wird und Modelle entwickelt werden, die tatsächlich nachhaltig und sozial gerecht sind.

Der Generationenvertrag muss auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen durch Globalisierung, Neoliberalismus und Überalterung überarbeitet und den Bedürfnissen angepasst werden. Hier gilt es dann, Arbeitsplätze im Gesundheitswesen und im Pflegebereich auszubauen.

> Frage: Welche Projekte für Schwerin möchten Sie, falls Sie gewählt werden, in der kommenden Legislaturperiode realisieren ?

– Silke Gajek: Bezogen auf meine Tätigkeit in der die Stadtvertretung habe ich folgende Ziele:

1. Umsetzung und Weiterentwicklung der Trägerverbünde in der Jugendarbeit mit der entsprechenden Planbarkeit, dazu gehört auch die notwendige Kontrolle von Wohlfahrtsverbänden und die Vermeidung von Wohlfahrtsmonopolen

2. Bekämpfung des strukturellen Defizits im kommunalen Haushalt, insbesondere dahingehend, dass städtische Betriebe effizienter arbeiten und der Lobbyismus minimiert wird (was jedoch äußerst chwierig ist …)

Schlossgarten3. Der Schlossgarten muss offen bleiben, das BUGA-Areal muss nachhaltig genutzt werden.

Für den Bundestag – und dann auch nicht nur für Schwerin, weil die meisten Probleme sehr global sind und nicht auf eine Stadt reduziert werden sollten – sind mir jedoch wichtig:

– Gesetzliche Veränderungen in Bezug auf freiwillige und Pflicht-Aufgaben in der sozialen Arbeit

– eine Bildungsreform: Bundesweit einheitliche Beschulung (Verabschiedung der Dreigliedrigkeit) und Auflösung des Föderalismus in diesem Bereich (pure Geldverschwendung). Dieses freiwerdende Geld kann dann direkt an Schulen verwendet werden. Derzeit verabschiedet jedes Bundesland eigene Bildungsgesetze. Dieses findet dann auch wieder indirekt Wirkung für Schwerin, wenn es um Anerkennung von Abschlüssen, etc. geht.

– Schulsozialarbeit ist kein Luxus, sondern gehört zur modernen sozialen Arbeit. Bei entsprechender Realisierung und Engagement bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass langfristig Gelder in der Nachsorge eingespart werden. Eine volkswirtschaftliche Rechnung ist jedoch hier für die Argumentation nicht möglich.

– Konsequente Umsetzung von Klimaschutz bzw. Ausbau von Windkraft, Passivhäusern und erneuerbaren Energien – dafür müssen die Rahmenbedingungen im Bund geschaffen werden.

> Frage: Schwerin steht für Erfolg, wie Staatstheater, BUGA, Kultur allgemein, Sport, aber auch für Negativ-Schlagzeilen, wie Haushaltssperre, Mittelkürzungen für das Theater, hohe Kinder-Armut.
Wie beurteilen Sie die Lage Schwerins 2009 ?

– Silke Gajek: : Die Situation in Schwerin ist schwierig, aber nicht einmalig in Deutschland – eher symptomatisch für die verfehlte Verteilung der Finanzen. Der Bund hat bis heute nicht wirklich auf die Finanzkrise, aber auch auf den veränderten Sozialstaat reagiert und die Gesetze den tatsächlichen Bedürfnissen angepasst.

KinderSo hat Schwerin, beispielsweise, das Problem, dass die Bevölkerung immer mehr überaltert und eine „gesunde“ Mischung nicht mehr vorhanden ist. Junge, aktive Frauen und Männer verlassen das Bundesland und gründen woanders eine Familie. Diese Strukturen sind über 20 Jahre weggebrochen und hinterlassen ihre Spuren. Hier müssen neue Konzepte her, die sowohl auf Kommunal- als auch auf Landesebene gemeinsam angegangen werden müssen.

Sie sprechen die Kinderarmut an. Mir ist das zu kurz gegriffen. Was wir in Deutschland und auch in Schwerin oftmals erleben, ist auch eine relative materielle Armut, jedoch gehen gerade SozialarbeiterInnen zunehmend von einer emotionalen Armut aus. Wir brauchen ein Bildungssystem, welches alle Kinder mit einbezieht und soziale Ungerechtigkeit mit hilft, zu bekämpfen, die Heranwachsenden in sozialer Kompetenz stärkt und ihnen Chancen bietet.

Hier sehe ich die größte Herausforderung in der heutigen Zeit! Und es geht definitiv nicht darum, zu sagen, das Bildungssystem der DDR war eben doch besser… , wie das viele heute äußern. NEIN! Wir benötigen in der schnelllebigen, hektischen Zeit andere Bildungsmodelle mit Schulsozialarbeit. Wer hier sparen will, investiert Jahre später um ein vielfaches an den negativen Folgen.

> Frage: Die Wählerin, der Wähler fragt sich oft, wer ist das eigentlich, für wen ich mich da entscheiden soll. Welches sind die wichtigsten Fakten und Infos zu Ihrer Person ?

Geschäftsstelle– Silke Gajek: : Ich komme aus der Bürgerbewegung und mache seit Jahren Basisarbeit in der Schweriner Kontaktstelle KISS. Durch meinen eigenen Bildungsweg habe ich viele Facetten des Lebens kennen lernen können bzw. dürfen – unter anderem Sekretärin, Mitarbeiterin im Frauenhaus, Studium, Ehefrau, arbeitsuchend ohne jegliche Ansprüche, Selbsthilfeberaterin.

Ich stehe für eine Bürgergesellschaft mit mündigen Bürgerinnen und Bürgern – und eine davon bin ich. Ich bin authentisch, ehrlich, manchmal zu emotional und konsequent. Ich kann kämpfen und habe mir meine Ideale, zumindest einige, bewahren können.

> Frage: Welche Schlagzeilen möchten Sie am späten Wahl-Abend über sich und Ihre Partei lesen …

Grün– Silke Gajek: „Bundesweit sind Bündnis 90/Die Grünen die drittstärkste Kraft – und MV ist mit zwei bündnisgrünen Abgeordneten im Bundestag vertreten!“

Dann einen erfolgreichen Wahlkampf und maximale Erfolge bei der Bundestagswahl !
M.Michels

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Infos zu Silke Gajek: Silke Gajek, Jahrgang 1962, „Facharbeiterin Schreibtechnik“, 1993 Studiums über den zweiten Bildungsweg an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg, interdisziplinäres Studium in den Fächern Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaft, Recht und Soziologie, im Jahr 2000 erfolgreicher Studienabschluss als Diplom-Sozialökonomin, seit April 2000 Geschäftsführerin der Schweriner Selbsthilfekontaktstelle und seit Ende 2007 Aufbau der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfekontaktstellen MV, wohnhaft in Schwerin, verheiratet, ein Kind.

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Veranstaltungshinweis der Schweriner Selbsthilfekontaktstelle, deren Geschäftsführerin Silke Gajek ist:

KISSDie Schweriner Selbsthilfekontaktstelle beteiligt sich am bundesweiten Filmfestival „Ueber Macht“ der „Aktion Mensch“, die vom 8. bis zum 15. Oktober 2009 zu Gast in der Urania Schwerin ist.
Am Sonntag, den 11. Oktober um 18:30 Uhr wird dann den Film „Die dünnen Mädchen“ präsentiert. Im Anschluss soll zusätzlich ein Gespräch zum Thema Magersucht erfolgen.

Der Film:
Die dünnen Mädchen, das sind acht junge Frauen zwischen 18 und 29 Jahren, die seit langem an Essstörungen leiden. Sie haben gehungert bis zur Selbstauflösung und können nicht einfach damit aufhören. Diagnose: Magersucht …

Die Krankheit frisst sich in ihr Leben – bis zur vollständigen Machtübernahme. Maria Theresa Camoglios Film dokumentiert, wie die jungen Frauen wieder eine Beziehung zu ihrem Körper aufbauen, um damit auch die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen.

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F.: 1.In Schwerin sind Bündnis 90/Die Grünen ebenfalls eine starke kommunalpolitische Kraft. / 2.Silke Gajek. / 3.Der Schlossgarten muß nach Ansicht Silke Gajeks offen bleiben. mm / 4.Kinder – eine Investition für die Zukunft. mm / 5.Landesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen am Großen Moor 34 in Schwerin. / 6.Bündnis 90/Die Grünen – bei der Bundestagswahl eventuell drittstärkste politische Kraft. / 7.KISS-Geschäftsstelle am Spieltordamm 9 in Schwerin. mm