Schweriner Haus der Behinderten und Senioren heißt künftig „Bertha-Klingberg-Haus“

Klingberg HausAnlässlich der Verleihung des Ehrennamens „Bertha-Klingberg-Haus“ an das „Haus der Behinderten und Senioren“ in der Max-Planck-Straße 9a würdigte Oberbürgermeister Norbert Claussen heute (11. Dezember 2007) das Leben der bekannten Schweriner Blumenfrau und Ehrenbürgerin der
Landeshauptstadt.

Vor bald zwei Jahren nun, kurz nach ihrem 107. Geburtstag, hat unsere Blumenfrau ihre Augen für immer geschlossen. Es ist nun an uns, das Ansehen unserer Ehrenbürgerin zu bewahren und zu schützen. Und so ist es nur folgrichtig, dass eine Institution, die sich so aufopfernd für unsere Gesellschaft einsetzt, ihr Domizil nach Frau Klingberg benennt. Denn ihr war der Einsatz füreinander immer das Wichtigste im Leben. Daher will ich es auch nicht versäumen, diese Gelegenheit noch einmal zu nutzen und auf das erfüllte Leben unserer Ehrenbürgerin zurückblicken.
Bertha Klingberg fand erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges nach Schwerin. Täglich fuhr sie mit dem Fahrrad von Raben Steinfeld in die Stadt, um sich und ihren Sohn zu ernähren.  „Vom heutigen Platz der Jugend und vom Marienplatz hat mich die Polizei weggescheucht. Auf dem Markt und später auf dem Schlachtermarkt habe ich jahrzehntelang Blumen verkauft“, erzählte sie einmal. Irgendwann erinnerte sich Bertha Klingberg ihrer alten Rehnaer Tracht. Fortan trug sie diese, wenn sie ihren Geschäften nachging; eines Tages wurde sie so fotografiert: Die „Blumenfrau“ war geboren. Das Bild hing dann längere Zeit mit dem Titel „Blumenfrau“ im Schaufenster eines Schweriner Geschäftes. Seitdem war Bertha Klingberg zu einem Schweriner Original im besten Sinne des Wortes geworden und vertrat fortan ihre Stadt bei zahllosen offiziellen Anlässen.
Zu einer Schweriner Legende wurde Bertha Klingberg nach der Wende von 1990. Die betagte Dame, mittlerweile 92-jährig, setzte sich mitten auf die Helenenstraße und sammelte Unterschriften, die helfen sollten, dass Schwerin vom Landtag zur Landeshauptstadt erklärt wird. Stolze 17 000 Willensbekundungen kamen am Ende der Aktion zusammen dafür verlieh ihr die Stadt im Jahre 1993 als erster und bisher einziger Persönlichkeit den Ehrenring.

Unvergessen sind auch die aufregenden Stunden, als sie Jahre später mit Freunden eine Suchaktion startete, weil sie den Ehrenring angeblich verloren hatte. Doch das gute Stück fand sich wieder an.

Die Starter des Fünf-Seen-Lauf kannten Bertha Klingberg als Schutzpatronin dieses großen Volkssportfestes. Stets schickte sie die Läuferinnen und Läufer auf die Strecke und ehrte persönlich die Sieger aller Klassen. Dafür wurde sie sogar zum Ehrenmitglied des Organisationsteams ernannt.

Zum 104. Geburtstag im Jahre 2002 ehrte die Landeshauptstadt die Jubilarin dennoch nicht nur mit einem Blumenmeer, sondern die Stadtvertretung verlieh ihr die Würde einer Ehrenbürgerin. Damit stand sie in einer Reihe mit so bekannten Schweriner Bürgern wie Pastor Friedrich Franz Beutler, Landschaftsmaler Carl Hinrichs oder Luftfahrtpionier Ludwig Bölkow.

Mit den Worten „Ich bin so überwältigt“ dankte Bertha Klingberg für die hohe Ehre. Zugleich wünschte sie sich, dass die Jugend, die es heutzutage oft in die Ferne zieht, immer wieder nach Schwerin zurückkehrt und diese Stadt so liebt, wie ich es immer tun werde“.

Ihr Herz verlor unsere Ehrenbürgerin die an die Idee, im Jahre 2009 zu einer Bundesgartenschau nach Schwerin einzuladen. Ihr Traum, die grüne Ausstellung noch zu erleben, erfüllte sich nicht mehr. Doch der mit von ihr sprichwörtlich gesäte Samen ist längst aufgegangen.  Symbolisch steht dafür die Kaiserlinde auf dem kleinen Platz zwischen Dom und Puschkinstraße, der vielleicht bald ihren Namen trägt. Als das BUGA-Bäumchen im Jahre 2000 gepflanzt wurde, griff Bertha Klingberg zur Gießkanne und wünschte sich, dass die Linde nicht nur mindestens 100 Jahre alt wird wie sie selbst, sonders auch die Stadt zusammenhält. Wir erinnern uns mit viel Wärme an diese kleine Frau in ihrer farbenfrohen Tracht, stets umgeben von Blumen und Menschen, denn beides war ihr Leben. Und genau so wird sie uns in Erinnerung bleiben.