Im Gespräch mit Rostocks Olympia-Hoffnung Nicole Zimmermann

Steckbrief – Nicole Zimmermann

Nicole ZimmermannGeburtsdatum: 11.05.1980
Geburtsort: Rostock
Wohnort: Dortmund
Verein: Rostocker Ruderclub von 1885
Bundestrainer: Ralf Holtmeyer
Beruf: Hotelfachfrau; z.Zt. Sportfördergruppe der Bundeswehr, Abiturientin
Sprachkenntnisse: Deutsch, Englisch, Französisch
Hobbies: Tanzen, Freunde, Musik, Rudern

Nicole Zimmermann: Dem Rudern und dem Freund treu verbunden!

Frage: Nicole, Sie sind eine begnadete Ruderin und konnten bereits zahlreiche Erfolge feiern. In der Königsdisziplin „Achter“ wurden Sie schon Weltmeisterin. Im letzten Jahr gab es Silber im Zweier bei der WM in München.
Ist eine Olympiamedaille in Peking Pflicht? Streben Sie auch dort einen Doppelstart an?

Nicole Zimmermann: Hey, die Zeiten, in denen es galt, Pflichten zu erfüllen, sind doch längst passé ! Nein, eine Medaille in Peking ist ein ganz großer Traum von mir. Ein Traum, der im Moment nicht unmöglich scheint. Die Konkurrenz im Rudersport wird von Jahr zu Jahr größer. Aber, ich weiß, was ich kann (siehe letzte WM). Ich bin, nein, ich darf optimistisch sein.

Frage: Sie lieben den Rudersport, Ihre aktuelle Liebe fanden Sie auch in dieser Sportart. Ist das nicht ein wenig langweilig, ob „privat“ oder leistungssportlich, mit der „Ruderei“ zu tun zu haben?
Was ist wahrscheinlicher: Dass Sie später die Sportart oder den Freund wechseln, um dem Rudern ein wenig zu entkommen?

Nicole Zimmermann: Also, eher wechsele ich die Sportart als den Freund!!! Seit meinem 10.Lebensjahr bin ich zwar „mit dem Herzen“ beim Rudern – inzwischen 17 Jahre – aber noch mag ich die „Ruderei“ (Meinen Freund aber mehr :)) Sicherlich, „früher“ hatte ich mehr Spaß beim Rudern, schließlich steckt auch viel Arbeit dahinter, aber ohne diesen Sport würde mir auch etwas fehlen. Noch habe ich diesen „ungemeinen Biss“, um erfolgreich international zu rudern.

N.Zimmermann (2.v.r.) im Achter 2003Frage: Viele Ruderer fürchten während des Wettkampfes „einen Krebs zu fangen“. Wie sieht es da in Ihrer rudersportlichen Karriere aus?

Nicole Zimmermann: Glücklicherweise hatte ich in meiner Karriere noch keine größeren Missgeschicke. Aber, einmal wurde es ziemlich ernst. Nach dem WM-Wettkampf 2003, ich wurde mit den anderen Mädels Achter-Weltmeisterin, dann musste ich beatmet werden. Ich war total „down“, hatte mich wohl „überbelastet“, was mein Körper „mit Streik beantwortete“. Ich rappelte mich damals allerdings schnell wieder auf.

Frage: Peking und Olympia – sicherlich die Herausforderung für Sie. Konnten Sie sich schon in der Olympiastadt 2008 bei vorolympischen Wettkämpfen ein wenig umsehen? Haben Sie sich schon Ihren „Lieblings-Chinesen“ (Restaurant!) ausgesucht – und natürlich nicht minder wichtig: Wie sind die Wettkampfbedingungen vor Ort?

Nicole Zimmermann: Nein, leider werde ich meine ersten Erfahrungen in Peking erst bei Olympia sammeln können. Zwar berichteten die Junioren, die ihre WM im letzten Jahr in Peking austrugen, über die dortigen Verhältnisse, aber ich bin sehr gespannt. Olympia ist schon etwas Großartiges. Wenn ich an Athen 2004 denke, „kribbelt“ mein ganzer Körper. Die Atmosphäre war beeindruckend, prägend. Ich hoffe auf Ähnliches in Peking.

Frage: Sie selbst gehören dem Rostocker Ruderklub von 1885 an, trainieren aber überwiegend am Leistungszentrum Dortmund. Wo gefällt es Ihnen besser –(natürlich) in Mecklenburg oder in NRW?

Nicole Zimmermann: Ach, Mecklenburg-Vorpommern, speziell Rostock, ist und bleibt meine Heimat. Hier ist mein wirkliches „Zuhause“. Hier fühle ich mich wohl, hier lebt meine Familie, meine Freunde. Ich wohne ja inzwischen seit 2004 in Nordrhein-Westfalen, aber – sofern mein Freund mitspielt (und er ist bestimmt kein Spielverderber :)) – „irgendwann“ möchte ich zurück nach Rostock. Die Bedingungen im Verein sind ja hervorragend, aber der Leistungsstützpunkt ist nun einmal in Dortmund. Vor 2004 war ich von Rostock nach Dortmund bzw. zu den einzelnen deutschen Trainingslagern mit dem Auto noch „umhervagabundiert“. Im Jahre 2003 war ich so 40000 Kilometer unterwegs. Nicht zuletzt deshalb entschied ich mich für Dortmund als Wohnort. Es ist eben ruhiger, man kann z.B. mit den Teamkolleginnen so auch hervorragend gemeinsam im Achter trainieren. Ansonsten: Ich mag eher die mecklenburgische Mentalität, meine Sympathie gilt „Meck-Pomm“.

Frage: Rostock kann eine ganze Reihe von namhaften Ruderern vorweisen. Einer der bekanntesten ist Siegfried Brietzke, dem es als fünften Ruderer der Welt gelang, dreimal hintereinander bei Olympia Gold zu holen. Ansonsten gab es für aktuelle oder „weggezogene“ Mecklenburger und Vorpommern zwischen 1970 und 2007 regelmäßig viele Medaillen bei WM und Olympia.
Beflügelt die Mecklenburger Erfolgstradition im Rudern auch das eigene Leistungsvermögen?

Nicole Zimmermann: Naja, ich bin nicht so ein „historischer Statistik-Freak“. Ich freue mich natürlich darüber, dass es so viele erfolgreiche Mecklenburger und Vorpommern im Rudern gab. Aber meine Vorbilder habe ich eher unter den aktiven Sportlern, zu denen ich noch Bezug habe. Ein großes Vorbild ist für mich der Kanute Andreas Dittmer. Klasse, wie er immer „auf den Punkt“ bei Wettkämpfen fit ist. Er hat „sein Ding“ bisher erfolgreich durchgezogen. So etwas spornt auch mich an. Und vielleicht gibt es einige „kleinere“ und jüngere Rostocker Ruderinnen, die auch in mir ein Vorbild sehen. Das ist, das wäre auch ein schönes Gefühl, ohne „eitel“ sein zu wollen …

Frage: Der Countdown bis Peking läuft: Wie sieht Ihr Weg bis dahin aus?

Nicole Zimmermann: Wir absolvierten bzw. absolvieren im März und im April jeweils ein dreiwöchiges Trainingslager in Italien. Dann gibt es die deutschen Meisterschaften in Brandenburg und es folgen noch drei Weltcups. Außerdem wird es noch ein Höhen-Trainingslager in St.Moritz geben. Ende Juli, wenn alles nach Wunsch verläuft, geht es dann mit dem Flieger nach Peking.

Frage: Im maritimen Bereich, Kanu, Segeln, Drachenbootsport und Rudern, konnten die Mecklenburger und Vorpommern in den letzten Jahren eine Reihe von Erfolgen feiern: Andreas Dittmer ist „Mr. Kanu international“, Jan Kurfeld wurde Junioren-Weltmeister im Finn Dinghi, Schweriner räumen fleißig bei Drachenboot-WM ab und Sie gehören zu den „goldenen Gazellen“ im Ruderboot.
Wer hat wahrscheinlich die größere Trainings- und Wettkampf-Mühsal: ein Kanute, ein Segler, ein Drachenbootsportler oder ein Ruderer – auch wenn nur ein abstrakter Vergleich möglich ist?

Nicole ZimmermannNicole Zimmermann: Also, da muss ich „lange“ überlegen (Anmerkung: Nicole überlegt drei Sekunden …): Ganz klar die Ruderer. Die Kanuten haben zwar mehr Trainingseinheiten, dafür aber kürzere. Während wir pro Einheit 90-100 Minuten auf dem Wasser sind, ist bei den Kanuten schon nach 45 Minuten Schluss. Und die Segler, die warten ja auf „ihre günstigen Winde“, sind körperlich bestimmt nicht so erschöpft wie wir Ruderer. Die Drachenbootsportler ?! Naja, die lassen sich ja von ihrem „Drachen“ ziehen 😉 Nein mal ernsthaft, es ist wirklich „nur“ ein abstrakter Vergleich möglich.

Letzte Frage: Welche Schlagzeile möchten Sie nach Peking über sich lesen?

Nicole Zimmermann: „Nicole siegt in Peking!“ (Das wäre die Realisierung meines Traumes als Sportlerin!)

Aktuelle Frage: Wie ist Ihre Meinung in der Diskussion „Möglicher Olympiaboykott infolge des harten Vorgehens Chinas in Tibet“?!

Nicole Zimmermann: Ich finde es ganz schlimm, wie die chinesischen Sicherheitsbehörden und die chinesische Armee in Tibet vorgehen. Ehrlich gesagt, war ich damals (2001) überrascht, dass die Spiele überhaupt nach Peking vergeben wurden. Man wusste doch von den dortigen Defiziten bei den Menschenrechten, insbesondere bezüglich der Meinungs-, Religions- und Pressefreiheit. Kann jetzt, nach allem, noch ausgelassen Olympia gefeiert werden? Ich habe da meine Zweifel, bin aber strikt gegen einen Boykott. Olympische Boykotte haben nie wirklich etwas gebracht: Das war so 1976 beim Olympiaboykott der afrikanischen Länder, das war so 1980 in Moskau und das war so 1984 in Los Angeles. Der Sport darf nicht zum Spielball der Politik werden. Olympia ist letztendlich das einzige Fest, zu dem die ganze Welt geladen ist. Und die Welt schaut auf China – besonders auch bei Olympia. Nicht nur wir Sportler aus aller Welt lernen China kennen, sondern das chinesische Volk wird auch die Sportler aus aller Welt kennenlernen, deren Demokratieverständnis und deren Toleranz. Keine Sicherheitsbehörde auf der Welt ist so stark, Freundschaften gerade bei Olympia unterbinden zu können – und die Sportler der Welt werden sich nicht vom chinesischen Volk „abschotten“ lassen. Ich bin davon überzeugt, dass Olympia für die weitere Entwicklung Chinas eher Positives beitragen wird.

Nicole, viel Glück und Erfolg bei der olympischen Vorbereitung und dann bei Olympia !
M.Michels

Fotos: DRV (2), Autogrammfoto Nicole Zimmermann