'Seid Ihr alle da?' Kasperiade oder die Enkel des Hanswurst
Geschrieben am 14.06.04 um 20:08
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Eine Sonderausstellung im Kunstkaten des Freilichtmuseums Schwerin- Mueß vom 26. Juni bis zum 15. August 2004.
Ausstellungseröffnung am 26. Juni 2004; 15 Uhr
Theatergeschichte der besonderen Art wird in einer Sonderausstellung im Mecklenburgischen Volkskundemuseum/ Freilichtmuseum Schwerin-Mueß gezeigt. Im Mittelpunkt steht der "Kasper" als Protagonist des Puppenspiels. Allgemein erlangte das Puppenspiel in Europa erst im Mittelalter eine besondere Bedeutung. Verschiedene historische Quellen berichten von Gauklern, die auf Märkten das Publikum mit Puppenspiel zum Lachen und Weinen brachten. Über das Spiel mit den Puppen gaben sie Sagen und Legenden, aber auch eigene Lebensweisheiten an das Volk weiter. Im 16. Jahrhundert tauchen Spielfiguren mit fest zugeschriebenen Charakteren und menschlichen Unzulänglichkeiten in den Spielstücken auf. "Hans Wurst" war es, der in Deutschland zur größten Popularität gelangte. Als tölpelhafte Figur mit Bauernschläue personifizierte er eine Philosophie der "Leichtigkeit des Sein" dadurch, dass ihm eben alles egal bzw. "Wurst" war. Seine Karriere ist maßgeblich auf das sogenannte "fahrende Volk" zurückzuführen, das verschiedenste Vorstellungen für die Allgemeinheit gab. In Zeiten der Unterdrückung und der Not hatten diese gespielten Frechheiten eine gewisse Ventilfunktion. Der "Hans Wurst" wurde zur ldentifikationsfigur für die Gedanken des einfachen Volkes, die es selber nicht aussprechen durfte. "Hans Wurst" hatte weltweit zahlreiche Verwandte gleichen Charakters, die unter verschiedenen Namen anzutreffen waren. In England hieß "Hans Wurst" "Jack Pudding" oder "Punch", in Rußland "Petruschka", in Usbekistan "Paivan Katschal", in Rumänien "Vasilache", in Brasilien "Joao Redondo", in Spanien "Don Christobal" oder "Polichinela", auf Java "Semar", in Frankreich "Jean Potage", in Indien "Vidushaka", in Italien "Punchinella", in der Schweiz "Hans Joggli", in den Niederlanden "Jan Khassen", in Tschechien "Kasparek", u.s.w. Das derb, zotige, freche und teilweise revolutionäre Auftreten des "Hans Wurst" führte im 18. und 19. Jahrhundert zu zahlreichen Aufführungsverboten bzw. zur Zensur von Spielstücken durch die Obrigkeit, weil diese vermutete das Volk könne durch den Konsum solcher Spielszenen aufgewiegelt werden. Vermutlich war dieser Druck auf die Spieler ein Grund für eine Namens- und Charakteränderung. Der in Deutschland "umerzogene" "Hans Wurst" hieß nunmehr "Kasper" und der hatte das Image eines temperamentvollen, schlauen, schlitzohrigen, witzigen und überaus dominanten Gewinners, der sich nicht mehr für dumm verkaufen lässt. Seine Probleme regelt er in Jahrmarktmanier, mit burschikoser Gewalt. Als Hilfsmittel dienen ihm zumeist Bratpfanne und Pritsche. 1921 bekommt der Kasper ein neues Aussehen. Nach Entwürfen von Max Jakob entsteht durch den Schnitzer Theo Eggnitz im Erzgebirge der erste "Hohnsteiner Kasper". Dieses Aussehen von "Kasper" und seinen "Hohnsteiner Verwandten" ist bis in die heutige Zeit nahezu erhalten geblieben. Mit der Geburt des "Hohnsteiner Kasper," bekommt diese Figur aber auch eine zusätzliche Aufgabe. Er wird Erzieher und Leitfigur des Theaterstückes. Die Popularität des "Kasper" wurde so groß, dass viele Menschen auch vom "Kaspertheater" sprechen, wenn sie das Puppenspiel im Allgemeinen meinen. Auch an der Schweriner Puppenbühne war und ist der Kasper präsent, sei es in klassischen oder modernen Rollen. Margarethe Wischnewski, Leiterin der Schweriner Puppenbühne, vermittelt in der Ausstellung, vornehmlich aus dem eigenen Fundus, die Vielfalt dieser immerfröhlichen Figur und ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen. Wer Lust hat, kann dem Kasper durch Phantasie und Sprachwitz selber Leben einhauchen und sich im Freilichtmuseum-Mueß hinter eine Spielbühne begeben. Weitere Termine, die im Zusammenhang mit der Kasperausstellung angeboten werden 24./25. Juli 2004 10 - 17.00 Uhr: Große Kasperiade im Mueßer Freilichtmuseum
In Zusammenarbeit mit der Puppenbühne des Staatstheaters Schwerin wird das Mueßer Freilichtmuseum zum Schauplatz für die Welt des Puppenspiels. Ein ganzes Wochenende dreht sich im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß alles um den Kasper und sein Milieu. Verschiedene Puppenbühnen, Sonderführungen durch die Kasper-Ausstellung und viele andere Möglichkeiten bieten den Besuchern die Gelegenheit, mit dem Kasper näher auf Tuchfühlung zu gehen.
Puppenbühne des Staatstheaters Schwerin SPIELPLAN IM FREILICHTMUSEUM SCHWERIN MUEß 2004
Datum Uhrzeit Titel des Stücks Puppenspieler/ Ensemble 03.Juli 2004 15.00 Uhr Der gestiefelte KaterFigurentheater/ Margarethe Wischnewski 06. Juli 2004 10 - 14.30 Uhr "Ich mach mir meinen Kasper selbst" Führung durch die Sonderausstellung und Anfertigung einer Kasperpuppe unter Anleitung der Puppenspielerin Margarethe Wischnewski 07. Juli 2004 15.00 Uhr "Kasper kauft ein Haus"/ Puppentheater Uli Schlott 08.Juli 2004 10.00 Uhr und 15.00 Uhr "Das Entchen"/ Puppentheater Uli Schlott 10. Juli 2004 15.00 Uhr "Kasper kauft ein Haus"/ Puppentheater Uli Schlott 13. Juli 2004 10 - 14.30 Uhr "Ich mach mir meinen Kasper selbst" Führung durch die Sonderausstellung und Anfertigung einer Kasperpuppe unter Anleitung der Puppenspielerin Margarethe Wischnewski 14. Juli 2004 15.00 Uhr "Dornröschen"/ Puppentheater Parthier 15. Juli 2004 10.00 Uhr und 15.00 Uhr "Rotkäppchen"/ Puppentheater Parthier 17. Juli 2004 15.00 Uhr "Die Geschichte vom guten grauen Wolf"/ Figurentheater Tandera 20. Juli 2004 10 - 14.30 Uhr "Ich mach mir meinen Kasper selbst" Führung durch die Sonderausstellung und Anfertigung einer Kasperpuppe unter Anleitung der Puppenspielerin Margarethe Wischnewski 21. Juli 2004 15.00 Uhr "Die kleine, große Traumtänzerin"/ Figurentheater Tandera 22. Juli 2004 10.00 Uhr und 15.00 Uhr "Das Zauberschächtelchen"/ Figurentheater Tandera 24. Juli 2004 15.00 Uhr "Kasper kauft ein Haus"/ Puppentheater Uli Schlott 27. Juli 2004 10 - 14.30 Uhr "Ich mach mir meinen Kasper selbst" Führung durch die Sonderausstellung und Anfertigung einer Kasperpuppe unter Anleitung der Puppenspielerin Margarethe Wischnewski 28. Juli 2004 15.00 Uhr "Die schöne Wassilissa"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 29. Juli 2004 10.00 Uhr "Ich bin schon so groß"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 29. Juli 2004 15.00 Uhr "Das Katzenhaus"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 03. August 2004 10 - 14.30 Uhr "Ich mach mir meinen Kasper selbst" Führung durch die Sonderausstellung und Anfertigung einer Kasperpuppe unter Anleitung der Puppenspielerin Margarethe Wischnewski 04. August 2004 15.00 Uhr "Ich bin schon so groß"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 05. August 2004 10.00 Uhr "Der gestiefelte Kater"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 05. August 2004 15.00 Uhr "Das Katzenhaus"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 07.August 2004 15.00 Uhr "Die schöne Wassilissa"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 10.August 2004 10 - 14.30 Uhr "Ich mach mir meinen Kasper selbst" Führung durch die Sonderausstellung und Anfertigung einer Kasperpuppe unter Anleitung der Puppenspielerin Margarethe Wischnewski 11. August 2004 15.00 Uhr "Das Katzenhaus"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 12. August 2004 10.00 Uhr "Ich bin schon so groß"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski 12. August 2004 15.00 Uhr "Der gestiefelte Kater"/ Figurentheater Margarethe Wischnewski
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