BUGA holt Sterne auf das Wasser
Geschrieben am 09.08.04 um 23:11
|
|
Lichtinstallation auf dem Burgsee
Die BUGA holt die Sterne auf das Wasser. Am 8. August ist ab 21.30 Uhr auf der Schlossinsel die Lichtinstallation *Seelewaschen" zu erleben. Allabendlich mit Einbruch der Dunkelheit wird der Burgsee in neuen Farben erleuchten.
Nachdem das Marketingstrategiekonzept für die Bundesgartenschau Schwerin 2009 auf den Weg gebracht ist, arbeiten die Mitarbeiter der BUGA GmbH intensiv an den Plänen für ein attraktives Kultur-Event. In verschiedenen Gesprächen mit den Kunst- und Kulturträgern der Landeshauptstadt entwickelte sich das Thema *Licht * Kunst * Wasser" im Kontext mit *Gartenraum" oder *Garten(T)raum" zum sinnhaften Leitgedanken. Jetzt wird ein erstes Projekt realisiert, das die Themen genial aufnimmt. Mit der Lichtinstallation des Künstlers Rainer Gottemeier werden in diesem Jahr die Potentiale des *Kunstraumes" Burgsee analysiert, um dann für 2009 ein international beachtetes Optimum präsentieren zu können - immer die Nachhaltigkeit im Sinne des *Touristischen Leitbildes" für Schwerin und des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Auge behaltend. Das Schloss im städtebaulichen Ensemble umgeben von den *Gärten der Jahrhunderte" wird spannend inszeniert.
Die südliche Himmelsregion um das Sternbild Ophiuchus (Schlangenträger) wird mit ihren Hauptsternen im innerstädtischen Seespiegel des Burgsees als schwimmende Lichtinstallation punktuell dargestellt. In der Antike sah man im Schlangenträger den Heilgott Asklepios, der die Schlange als Symbol hat. 27 Neonstab-Bojen markieren sternengleich ein gespiegeltes Firmament; ein pulsierendes Leuchtfeld auf schwankendem Grund. Ihre Reflexionen zeichnen beständig neue Bilder des Windes in das nachtschwarze Wasser. Die zwei Meter hohen Leuchtstäbe korrespondieren mit den Elementen Wind und Wasser in einem freien Spiel der Kräfte. Im Wasserelement ist Gleichgewicht eine spür- und fühlbare Qualität; ein Abbild des Seelischen. Die an- und abschwellenden Lichtobjekte sind Metapher für dessen sensible Balance. *Seele" hängt etymologisch mit *See" zusammen und leitet sich von der altgermanischen Vorstellung her, die Seelen der z. B. Ungeborenen wohnten im grenzenlosen Wasser. Die antiken griechischen, lateinischen oder indischen Ausdrücke, die das Seelische umschreiben *Pneuma", *anima", *spiritus" oder *atman" sind allesamt dem Wortfeld *Wind, Wehen, Hauch, Atem" verbunden. Die *seismographische" Lichtmalerei versinnbildlicht die Umwandlung von unsichtbaren Gestaltungskräften in ein bewegtes Bild, das sich selbst beschreibt. Einhundertachtzehn blitzende Signallicht-Bojen verkörpern die *Vollzähligkeit der Sterne" im Firmament des Schlangenträgers und seiner angrenzenden Sternkonstellationen. Blaue, rote und grüne Kugelfender markieren die himmelskartographische Anordnung der Sternorte im verkleinerten Maßstab auf irdischem Grund.
Mit Blick auf die sich ankündigende Bundesgartenschau Schwerin 2009 verweisen die Grundfarben der schwimmenden Objekte auf das Signet der BUGA und den damit verbundenen gestalterischen Prozess im städtischen Raum. Die maritimen Objekte verschmelzen zu einem Gesamtorganismus aus Bewegung, Farbe, Klang und Licht.
*Seelewaschen" steht für Kontemplation, gesteigerte Aufmerksamkeit, Reinigung und Stille. Der stille Puls von *Seelewaschen" ruft das tiefe Gefühl einer Unmittelbarkeit hervor, das uns in die Nähe einer ungreifbaren Quelle führt. Die Seele als immaterielle Substanz ist phänomenologisch das Gegenteil von Mess- und Kontrollierbarem. Im griechischen Altertum sprach eine Metapher vom *unbeschreiblichen Lächeln des Meeres", wenn etwas wieder gesehen oder mit neuen Augen betrachtet wurde.
Die Lichtinstallation ist bis zum 5. September zu erleben.
|