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Schlüssel, Schlösser und Beschläge

Geschrieben am 18.08.04 um 22:10


Im Freilichtmuseums Schwerin- Mueß wird am 19.August die dritte Sonderausstellung der diesjährigen Saison eröffnet.

Sie widmet sich dem Schmiedehandwerk und setzt damit die Tradition fort, einzelne Gewerke unserer Region, mit Dokumentationen und Sachzeugen aus den Museumsbeständen, vorzustellen. In der umfangreichen Sammlung des Mecklenburgischen Volkskundemuseums befinden sich  schmiedeeiserne Schlüssel, Schlösser und Beschläge von bäuerlichen Truhen, Schränken, Kirchentüren und anderen Objekten, die bereits seit Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts in großer Anzahl in den Museumsbeständen vorhanden sind. Die seltenen Exponate gelangten durch Schenkungen des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Althertumskunde, durch Übernahme von Einzelpersonen sowie durch die Sammeltätigkeit des Volkskundlers Richard Wossidlo in das damalige Schweriner Landesmuseum. Größtenteils wurden sie bei Bauarbeiten an Kirchen und Amtsgebäuden geborgen und gehören zu den Beständen der Sammlung, die bisher nur wenig in Sonderausstellungen gezeigt werden konnten. Die Schmiede bildeten in Mecklenburg ein altes und zahlreiches Amt, das sich mit den Stadtgründungen um 1200 zu entwickeln begann. In den Städten ging aus dem Schmiedehandwerk durch Spezialisierung eine Vielzahl von neuen Berufen hervor. Dazu gehörten u.a. Schwert-, Hammer-, Nagel-, Waffen-, Gold-, Glocken-, Sensen- und Messerschmiede.  Die Zünfte (Ämter) förderten die Entwicklung des Handwerks, in dem sie u.a. auf eine gleichbleibende Qualität der Produkte achteten, auswärtige Konkurrenten ausschalteten und jedem Handwerker ein Auskommen sicherten. Die in den Amtsrollen festgelegten Satzungen waren nicht für alle Zeit festgelegt. Sie änderten sich mal mehr und mal weniger. Die Ansiedlung von Handwerkern auf dem Lande wurde im Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich von 1755 festgeschrieben. Danach durften die Grobschmiede einen Gesellen halten. Sie hatten sich dem Amt in der Stadt anzuschließen, durften jedoch keine Aufträge für die Städte annehmen.
Ihnen oblagen alle gröberen Eisenarbeiten  vom Herstellen und der Reparatur landwirtschaftlicher Geräte bis hin zum Ausbessern von Wetterfahnen und Kirchturmspitzen.
Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war der Hufbeschlag sowie das Anfertigen der eisernen Teile für Wagen, insbesondere das Aufziehen der eisernen Wagenbänder, in Zusammenarbeit mit dem Stellmacher.
Heutzutage werden die metallverarbeitenden Berufe unter dem Begriff Metallbauer zusammengefaßt. Moderne Schweißverfahren, Stahl- und Aluminiumbau sowie Edelstahlbau kommen in Anwendung. Der Hufbeschlag hat in den letzten Jahren durch die neu entstandenen Reiterhöfe wieder zugenommen. Dabei  kommen die Pferde  durchaus nicht immer zum  Beschlagen in die Schmiede. Vielerorts wird der Hufbeschlag ambulant ausgeführt, d.h. der Schmied fährt mit allen nötigen Arbeitsutensilien zum Hufbeschlag über Land. Die Sonderausstellung, die bis Ende Oktober 2004 im Kunstkaten des Freilichtmuseums dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr zu besichtigen ist, steht in Zusammenhang mit der Dorfschmiede des Freilichtmuseums, die 1976 eröffnet wurde. Dieses Fachwerkgebäude aus dem Jahre 1736, bestehend aus einem Schmiederaum und einer großen Vorlaube, stammt aus Stove bei Gadebusch. Die Herdanlage mit dem Schmiedefeuer und die dazu gehörenden Arbeitsgeräte vermitteln dem Besucher einen Einblick in die körperlich schwere Arbeit des Schmieds. Jeden Mittwoch können die Besucher des Mueßer Freilichtmuseums dem Schmied Lothar Waldner bei der Arbeit zusehen.
Bildzeile: Lothar Waldner in der alten Dorfschmiede des Mueßer Freilichtmuseums
 

volker janke

 
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