Die Rallye Wartburg mit Start und Ziel in Eisenach war zu DDR-Zeiten Höhepunkt und Saisonabschluss. Die anspruchsvollen Wertungsprüfungen (WP) im Thüringer Wald stets für Fahrer und Co-Piloten eine Herausforderung. Trabant-Driver Martin Christ: Abbruch nach Unfall, viele „Ausritte“ kennzeichneten den 3. Lauf zur ADAC Masters (Nord) 2007. Martin Christ belegte den 2. Klassenplatz in der Klasse H 10 (Trabant).
Eisenach/Schwerin (pb): Abbruch nach tödlichem Unfall auf der Wertungsprüfung 12 „Glasbach“ der Rallye Wartburg am vergangenen Sonntag. Das BMW-Team Dirk Zipfel/Matthias Rohlfs (MSC Trittau) war seitlich gegen einen Baum geprallt. Während Fahrer Dirk Zipfel ins Krankenhaus gebracht wurde, kam für den 46jährigen Kfz-Meister Matthias Rohlfs aus Grande bei Hamburg jede Hilfe zu spät.
Martin Christ Bild1Martin Christ (Foto; Haar): „Mein Vater – Holger Christ – rief mich per Handy an und gab die Info durch „BMW abgeflogen“, wohl mit schwerwiegenden Folgen“. Uns kamen bereits Teilnehmer entgegen, da befürchteten wir schon schlimmes. Die vorletzte WP 13 wurde noch gefahren, danach die Veranstaltung abgebrochen. Es war alles recht problematisch, nur 8 von 14 WP wurden vollständig absolviert, der Rest neutralisiert oder abgesagt“.
Für den Chef der Redefiner Volksbank Martin Christ lief es bei der zweitätigen Eisenacher Wartburg Rallye zunächst nicht optimal, „nur“ Platz 3 in der Trabant-Klasse H10. Trabant 601 RS-CR, Fahrer: M.Christ Bild2Dazu Martin Christ: „Mein Motor war gegen die Konkurrenten zu schwach, außerdem hatten die „Heimvorteil“. In der zweiten Schleife am Sonntag lief es besser, Martin Christ verbesserte sich auf Platz 2 und belegte im Gesamtklassement Platz 35 bei 73 gestarteten Teams, von denen nur 50 das Ziel in Wertung erreichten.
Trabant 601 RS-CR Bbild3Als Gewinner des Trabant Rallye Cups 2006 belegt Martin Christ (Haar/Schwerin) nach der Rallye Wartung aktuell Rang 2, machte in Eisenach etwa 90 Punkte zum derzeitig Führenden Mike Knorn (Neumark) gut. Es folgen mit den Rallyes Grünhain, Thüringen (Pößneck) und Zwickau noch drei Wertungsläufe.
Die Rallye Wartburg gibt es seit 1955, damals waren von den 70 Startern 500 km Sternfahrt nach Eisenach und dann eine über 1.000 km zu absolvierende Zuverlässigkeitsfahrt zu bewältigen. 39 Teams erreichten das Ziel in Eisenach. In der Folgezeit war die „Wartburg“ stets Höhepunkt und Saisonabschluss der DDR-Meisterschaft. Tiefe Erschütterung herrschte 1974, auf WP 1 „Eisenach – Förtha“ verunglückte AWE-Werksfahrer Rainer Witzmann tödlich. Der DDR-Vizemeister Klasse 23 des Jahres 1980 Horst Christ (Lada) vom MC Tourist Schwerin startete damals in Eisenach zu einer seiner ersten Rallyes im Polski Fiat 125.
Die beste Platzierung mit einem internationalen Klassensieg erreichte Armin Kremer (Trabant 601, Gruppe N) im Jahre 1990 in Eisenach. 1992/93 gab es in Folge umfangreicher Umweltproteste keine Rallye Wartburg.
Der MC Eisenach im ADMV der DDR wurde am 24.03.1955 gegründet, vorher gab es bereits seit 1899 den Mitteldeutschen A.C., den Eisenach Motorsport-Club „Windsbraut“ und nach dem zweiten Weltkrieg gehörten die Motorsportler zur Sektion „Motorrennsport“ der Betriebssportgemeinschaft „Motor“ des VEB Automobilwerk Eisenach. Seit 1994 ist der MC Eisenach im ADAC beheimatet.
Ein Prädikat zur Deutschen Rallye Meisterschaft erreichte die Rallye Wartburg nach der Wende bisher nicht wieder. „Haben die Eisenacher auch nicht verdient. Die Wartburg Rallye ist um Welten nicht mehr das, was sie zu DDR-Zeiten war“, so Martin Christ.
Kann sie auch nicht, vor der Wende war das Automobilwerk Eisenach der eigentliche Veranstalter mit allen erforderlichen Kräften und Finanzen. Heute versucht der MC Eisenach mit einer Reihe von Sponsoren die Wartburg Rallye am Leben zu halten, immerhin zählt das Eisenacher Opel-Werk mit zu den neun Hauptsponsoren der diesjährigen Wartburg Rallye.
Foto (3): P. Bohne