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Schwerin-NEWS.de Nachrichten-Archiv

Der Schweriner Sport: Zwischen Schwerathleten, Turnern und Ruderern

Ein Rückblick auf die frühe Sportbewegung in der Landesmetropole …

BUGABUGAIn Schwerin beginnt bald die BUGA und auch der Schweriner Sport will zu deren Erfolg beitragen. So wird es verschiedene sportliche Veranstaltungen im Rahmen der Blumenschau geben, ob nun Vorführungen der Schweriner Vereine auf der Freilichtbühne, der Fünf-Seen-Lauf, der Schloss-Triathlon oder weitere Wettkämpfe in den verschiedenen Sportarten.

SchwerinDoch wie sahen die Anfänge eines Sport- und Vereinswesens in Schwerin aus ? Welche Sportarten organisierten sich in der Landeshauptstadt zunächst in Vereinen oder Verbänden ? Welches waren die ersten Wettkämpfe und Wettbewerbe im Schweriner Sport ?

Schwerin-News blickt vor der BUGA noch einmal auf die Frühzeit des Schweriner Sportes zurück …

> Die Schützen-Zunft als Vorläufer eines organisierten Turn- bzw. Sportwesens in Schwerin

bugaDer genaue Gründungstermin ist zwar unbekannt, aber anhand mündlicher Überlieferungen entsprechender Zeitzeugen an Schweriner Stadtchronisten ist davon auszugehen, dass sich eine Schweriner Schützengilde ca. 1510 konstituierte.

Erstmals urkundlich erwähnt wird eine Schützengilde in Schwerin allerdings erst zu Beginn des 16.Jahrhunderts. Überliefert ist allerdings, dass die Schweriner Schützen wohl besonders trinklustige Leute gewesen sein müssen, denn zu den Gelagen, die der Schweriner Gildemeister den Schützenbrüdern gab, durften die Frauen nicht kommen !

Die Schützengilde bildete den Vorläufer der1640 gegründeten Schützenzunft, auch wenn sie nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser steht. Der Anlass zur Gründung einer Schweriner Schützenzunft war ein ziemlich trauriger. 1638 – im Jahr 20 des „Dreißigjährigen Krieges“ wurde eine seuchenartige Krankheit durch fremde Truppen in Schwerin eingeschleppt, die sich schnell ausbreitete – so schnell, dass die Schweriner Einwohner nicht nachkamen, die Toten zu bestatten.

Nicht einmal die Handwerksämter konnten – wie eigentlich üblich – ihre Zunftgenossen zu Grabe tragen. Es bildeten sich daher in Schwerin zwei Vereinigungen von Bürgern, die es sich zur Aufgabe machten, für die Beerdigung der Zunftgenossen und deren Familien bzw. Angehörige zu sorgen. Die eine „Totenzunft“ oder auch „Totenbeliebungen“ bildete sich im Juni 1638, die andere „Totenzunft“ folgte im September 1638.

> Der Männer-Turn-Verein von 1859 in Schwerin – Anfänge eines organisierten Turnwesens in Schwerin

ssb„In der Zeit, als nach langem Druck im deutschen Vaterlande die Turnerei und ihre Bestrebungen allmählich wieder zu Ehren kamen, als die Geister in der Hoffnung auf eine bessere Zeit freier wurden und die deutschen Männer es wagen durften, ihren auf Deutschlands Einheit und Größe gerichteten Gedanken Ausdruck zu geben und sich zusammenzuschließen, um in gemeinsamer Turnarbeit den Körper zu stählen, die Vaterlandsliebe zu pflegen und den deutschen Gedanken hinauszutragen in das Volk, da entstanden auch der Turnsache hier in unserer Stadt geeignete und schaffensfreudige Männer, die mit viel Arbeit und Mühe den Grundstein legten zu unserm lieben Männer-Turn-Verein.

16 angesehene Männer, durchdrungen von dem hohen Wert des deutschen Turnens, traten auf Einladung des Buchhändlers Ernst Bär am 18.Oktober 1859 zu einer Beratung zusammen, und schon an demselben Abend erfolgte die Gründung eines Männerturnvereins.“, heißt es in der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Männer-Turn-Vereins zu Schwerin.
Doch die ersten turnerischen Aktivitäten einzelner Schweriner sind bereits viel früher feststellbar.

tURNENtURNENSo sollen am ersten Hanauer Turntag 1848 über den 1816 gegründeten Hamburger Turnverein ebenfalls Schweriner teilgenommen haben.  Ein größeres turnerisches Engagement darüber hinaus ist ferner in den frühen 50er Jahren des 19.Jahrhunderts festzustellen. So fanden Freiluftübungen insbesondere auf dem Exerzierplatz in der Wismarschen Strasse statt.

> Wie sich der Rudersport in Schwerin konstituierte …

Natürlich wurde ebenfalls die mecklenburgische Residenzstadt Schwerin von der allgemeinen Ruder-Begeisterung in Deutschland erfaßt. 1871 konstituierte sich hier der Rudersport: Der erste Verein war der „RC § 11“, der von den Herren Pagels, Joseph, Könecke, Lammers, Tesch, Lewerenz und Wiegels am 10.November 1871 begründet wurde. Nach dem Vorbild Hamburg wollte man ganz einfach „einen Ruderclub auf dem Schweriner See gründen“. Das erste Ruder-Boot wurde vom Geheimen Kommerzienrat Francke auf „Helena“ getauft, welches mehrere Jahr vom Ruderclub genutzt wurde.

RudernAufgrund des Zuspruchs unter den Schwerinern – bis 1872 zählte der Club 19 Mitglieder – wurde ein zweites Ruder-Boot, eine Zehnergig, in Wismar bestellt. Diese konnte 1873 geliefert werden. Als Vereinsvorsitzender fungierte der Zahnarzt Wilhelm Wiegels, der entscheidenden Anteil daran hatte, daß sich der Rudersport überhaupt in Schwerin organisierte.

> Zwischen Radvereinigung und Hochrad

Im Jahr 1886 wurde der „Schweriner Radfahrverein“ unter maßgeblicher Initiative von Karl Gundlach, einem Kaufmann, gegründet. Am 23./24.Juni 1888 feierte der Verein mit der „Vereinigung der Mecklenburgischen Radfahrer“ sein Stiftungsfest. Insbesondere Radsportveranstaltungen bzw. – darbietungen auf dem Hochrad gehörten zum Repertoire dieses Vereines.

SNIn der „Vereinigung der Mecklenburgischen Radfahrer“ schlossen sich die Radvereine aus beiden Teilen Mecklenburgs zusammen; diese schloß sich dem „Deutschen Radfahrerbund“ an. Allerdings trat die „VMR“ bereits 1892 aufgrund organisatorischer Querelen wieder aus diesem deutschen Radsport-Dachverband aus.

> Der erste Schwimm-Verein der Residenzstadt

Überraschenderweise erreichte die „deutsche Schwimmbegeisterung“ die meckleburgische Residenzstadt Schwerin relativ spät. Erst um 1910 begannen sich schwimmbegeisterte Schweriner zu gemeinsamen, ungezwungenen Wettschwimmen zu treffen. … Und es dauerte noch weitere drei Jahre, ehe sich auch in Schwerin ein Schwimmklub herausbildete.

SchwimmenDieser konstituierte sich 1913 – kurz vor dem ersten internationalen Schweriner Schwimmfest im August 1913. Zu diesem schwimmsportlichen Großereignis in Schwerin lud der Vorsitzende des Ausschusses zum Schwimmfest bzw. der maßgebliche Begründer des Schweriner Schwimmklubs, der Ingenieur Grotefend, den Großherzog ein

> Die Gründung des Schwerathletik-Clubs „Germania“

Vor Schwerin machte die schwerathletische Entwicklung ebenfalls keinen Halt. Im Jahr 1892 gründete sich hier der Schweriner Athleten-Club „Germania“, der Ringen, Gewichtheben und Gewichtwerfen anbot.

Der Schweriner Athleten-Club kooperierte auch eng mit anderen Sport-Vereinen der Stadt und bot beispielsweise Ruderern und Schwimmern Übungsstunden an, die diese oftmals dankend mitabsolvierten.

> Die Anfänge des segelsportliches Vereinswesens

SegelnAufgrund seiner Seenlandschaft war auch die mecklenburgische Landeshauptstadt Schwerin für die Ausübung des Segelsportes geradezu prädestiniert. Die Anfänge des organisierten Segelsportes in Schwerin liegen vor allem im so genannten Schweriner Regattaverein, der aus dem im Jahre 1883 gegründeten Segel- und Ruderverein hervorging.

Im Anschluß an eine Regatta des Segel- und Rudervereins zu Schwerin im September 1894 machte der begeisterte Segler und Druckereibesitzer Herberger den Vorschlag zur Trennung der Interessengemeinschaft des Ruder- und Seglervereins, da dieser nach seiner Auffassung die Belange der Schweriner Segler nicht ausreichend genug vertrat. Herberger äußerte seine Meinung am Rande einer Preisverteilung am 1.9.1894 im Schweriner „Casino“. Sofort waren 40 anwesende Segler bereit, dem neu zu gründenden Verein beizutreten.

Bereits am 13.Oktober 1894 kam es zur Gründung des „Schweriner Segler-Vereins“; damit war auch der Segelsport in Schwerin eigenständig organisiert.

> Der Fußball auf dem Siegeszug …

In Schwerin zog „König Fußball“ auf ganz eigentümliche Weise um 1895 ein. Ältere Schüler, die sich befehdeten, trafen sich um die Jahrhundertwende zu Vergleichen und Revanchen auf freien Plätzen in der Stadt, um auf diese Art ihren Streit auszutragen. Nach dem ersten „Schweriner Fußballklub von 1903“ wurde 1904 mit „Vorwärts“ ein zweiter gegründet. Im Jahr 1911 kam „Union Schwerin“ hinzu. Austragungsort zahlreicher Fußballspiele war der kleine Exerzierplatz, der in der Nähe des Schloßgartens liegt.

Große Erfolge feierte vor allem der „Schweriner Fußball-Club von 1903“, der im Jahr 1925 Meister des Bezirks II (Lübeck-Mecklenburg) wurde.

> Schwerin auch Heimat des „weißen Sportes“

BUGAIm Jahr 1877 fanden dann die ersten englischen Lawn-Tennis-Meisterschaften statt. Das „neue Tennis“ trat seinen Siegeszug um die Welt erfolgreich an.
Die allgemeine Tennis-Begeisterung erreichte die mecklenburgische Landeshauptstadt zwar mit einiger Verspätung, aber im Jahre 1908 gründeten auch die Schwerinerinnen und Schweriner – mehrheitlich die Gutsituierten – ihren ersten „Lawn-Tennis-Club“.

Zunächst entdeckten die so genannten „besseren Kreise“ ihre Zuneigung zum „weißen Sport“ – und wollten auch möglichst „unter sich“ bleiben. Aufnahmebegehren von Interessenten, die nicht aus einer Adelsfamilie stammten bzw. die nicht zum reichen Bürgertum gehörten, wurden zumeist abgewiesen.

> Die Gründungsversammlung des Schweriner Anglervereines

Erst 1924 – am 30.03.24 – fand die Gründungsversammlung des Schweriner Anglervereins 1924 e.V. statt. An dieser Versammlung nahmen 115 Gründungsmitglieder teil. Knapp 2 Monate später, am 26.Mai 1924, wurde der „SAV“ in das Vereinsregister der Stadt eingetragen und damit offiziell als Sport-Verein anerkannt.

Noch im gleichen Jahr schlossen sich die Schweriner Sport-Angler dem 1923 gegründeten Mecklenburgischen Anglerbund an.
Gerade im Bereich der Mitgliederwerbung verzeichnete der „SAV“ große Erfolge. Ende des Jahres 1924 zählte man im Verein bereits 220 Mitglieder.

> Die Motorsport-Pioniere in Schwerin

MotorsportNach 1900 erfuhren die motorsportlichen Disziplinen, wie Motorradsport, Automobilsport, Motorbootsport und Motorflugsport, in der mecklenburgischen Landeshauptstadt eine zunehmend positive Resonanz unter der Schweriner Bevölkerung.

Insbesondere der Schweriner Motorrad-Club von 1924 und der Großherzoglich Mecklenburgische Automobil-Club konnten echte Begeisterung bei den Schwerinerinnen und Schwerinern entfachen.

Die automobilsportliche Begeisterung erreichte Schwerin im Jahr 1911. In jenem Jahr gründete sich hier der Großherzoglich Mecklenburgische Automobil-Club, zugleich Automobil-Club von Deutschland, dessen Protektor – wie der Name vermuten läßt – der mecklenburgische Großherzog war.

MotorsportIm Jahr 1924 gründete sich dann auch in Schwerin ein motorradsportlicher Verein, der „Schweriner Motorrad-Club von 1924 (Deutscher Motorradsport-Verband)“.  Noch im Gründungsjahr veranstaltete der „SMC“ die Klubmeisterschaft von Mecklenburg, für die der Großherzog ab 1925 einen Wanderpokal stiftete.

Erst nach dem I.Weltkrieg konnten sich auch die Schweriner für den Motorbootsport begeistern und gründeten den „Schweriner Motorboot-Club e.V.“. Dieser veranstaltete bis 1933 jährlich Club-Regatten mit auswärtiger Beteiligung, die meistens in der Zippendorfer Bucht, auf dem Großen Schweriner See oder auf dem Burgsee stattfanden. Für diese Regatten stiftete der Magistrat Schwerin einen Wanderpreis.

> Schwerin in der Luft …

FlugsportNach 1918 begannen sich ebenfalls in Schwerin flugsportliche Aktivitäten zu entwickeln. So konstituierte sich in der mecklenburgischen Metropole der „Flieger-Verein zu Schwerin in Mecklenburg“, der sich zunächst im „Ring der Flieger e.V. Berlin“, ab 1930 im „Deutschen Luftfahrt-Verband e.V., Berlin“ organisierte.

Sehr engagiert war der „Flieger-Verein zu Schwerin“ bei der Durchführung von Wettkämpfen: Zwischen 1925 und 1933 fanden einige Wett- und Schau-Fliegen in Schwerin statt.

> Schwerin am Schachbrett

SchachAm 31.Januar 1911 erfolgte die Neugründung des „Schweriner Schachklubs“. Der erste „Schach-Verein“ in Schwerin war im Jahr 1859 gegründet worden und löste sich mangels Interessenten wieder auf. Ein zweiter Schweriner „Schach-Verein“ konstituierte sich am 17.Mai 1878. Auch dieser stellte seinen „Spielbetrieb“ infolge der dürftigen Resonanz unter den Schwerinern wieder ein.

Im Jahr 1911 lud Schwerin dank des Engagements des „SSK“ zum 14.Schachkongreß in Mecklenburg ein.

> Ein Kegelverband wird gegründet …

Am 24.September 1910 wurde der „Kegler-Verband Schwerin“ gegründet. Zwischen 1910 und 1927 war Herr Pinkepank erster Vorsitzender des „KVS“, ehe ihn ab 1928 Hermann Brüss ablöste. Zahlreiche Wettkämpfe organisierte der „KSV“ in Schwerin.

So fanden zwischen 1910 und 1933 die Sportwochen der Schweriner Kegler statt, die zumeist im Keglerheim „Ceciliengarten“ stattfanden. Seit 1924 veranstaltete der „KSV“ die von ihm ins Leben gerufenen „Mecklenburgischen Klubwettbewerbe“, für die der Magistrat Schwerin einen Wanderpokal stiftete.

> Schwerin „hoch zu Ross“ ….

ReitsportDer Verkauf von Pferden aus dem Großherzoglichen Gestüt des Schweriner Marstalls für „Dressur-Wettbewerbe“ in Deutschland erfolgte seit 1818. Erste „Dressur-Wettstreite“ gab es in Schwerin im Jahr 1846.

> Kleinsegler und Kanuten – die Anfänge …

Im Jahr 1920 wurde in Schwerin der „Kleinsegel- und Kanu-Verein zu Schwerin“ gegründet. Dessen Geschäftsstelle befand sich in der Arsenalstrasse Nummer 10.

M.Michels

(M.Michels, Chronik „Die Entwicklung des Schweriner Sportes von 1850 bis 1933“, mit Dokumenten- und Foto-Anhang, SSB Schwerin 2000)

F.: BUGA-Büro (4), P.Bohne (2), Th.Schiller (1), M.M. (8), SSB (Archiv/2)


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