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Schwerin-NEWS.de Nachrichten-Archiv

Mit einer früheren Olympionikin im Gespräch

Andrea Bölk über Peking 2008, die sportliche Karriere und den Erfolg von St.Nimke

A.Bölk 1995Andrea Bölk gehört zu den erfolgreichsten Handballspielerinnen aus M-V der letzten Jahrzehnte. Zweimal war sie bei Olympia (1992/1996) dabei. Sie wurde 1993 Weltmeisterin und 1994 Vize-Europameisterin. Noch vor der Wende erkämpfte sie WM-Bronze 1987 mit den DDR-Juniorinnen.
Ihre Karriere umfasst insbesondere die „Stationen“ Rostock, Wismar und Buxtehude.

Frage: Sie sind gebürtige Rostockerin, wurden handballsportlich maßgeblich „groß“ bei der TSG Wismar und beim SC Empor Rostock, spielten beim Buxtehuder SV und waren z.B. auch Trainerin in Oyten. Was verbinden Sie speziell mit Ihren handballsportlichen „Stationen“ Wismar, Rostock und Buxtehude ?

Andrea Bölk: Die sportlichen Gene habe ich faktisch mit in die Wiege bekommen. Meine Mutter spielte ja schon erfolgreiche Handball, mein Vater war am Fußball und mein Bruder war ebenfalls ein „Kicker“. Meine Mutter“schleppte“ mich schon früh mit zum Training und ich durfte „zugucken“. Schon als „Bambi“ wurde so meine handballsportliche Leidenschaft entfacht und als Fünfjährige begann ich, 1975, „richtig“ Handball in Wismar zu spielen. Große Verdienste während meiner Wismarer Zeit hatten insbesondere Erwin Meyer und Helmut Tramm, ohne sie wäre ich nie so weit gekommen. Ich erhielt von beiden frühzeitig eine optimale, fachkundige Betreuung, solide Grundlagen für die auch später so erfolgreiche Karriere. Als ich dann mit 14 Jahren nach Rostock delegiert wurde, hatte sich ein ganz großer Traum von mir erfüllt. In Rostock gab es super Bedingungen, um Schule, Sport und Freizeit miteinander verbinden zu können. Ich konnte auf diese Weise intensiv trainieren und erhielt dennoch eine gute Bildung. Sogar extra Einzel-Unterricht erhielt ich z.B. in der 11.Klasse. Ohne diese „Symbiose“ Sport-Schule wäre ich weder eine erfolgreiche Handballerin noch erfolgreiche Bankkauffrau geworden.
Und, da meine Eltern mich so stark unterstützten, stimmte auch das familiäre Umfeld, um sich unbeschwert dem Handballsport widmen zu können.
In Rostock erhielt ich dann den letzten Feinschliff. Trainer Gerhard Schumacher und Trainerin Ute Lemmel habe ich dabei eine Menge zu verdanken. Und Buxtehude war für mich, als junge Spielerin aus dem „Osten“, eine besondere Herausforderung, eine Lebenserfahrung, die ich unbedingt wollte. Sicherlich, es gab auch die beruflich-finanzielle Komponente. Es ging um Perspektiven nach der Handball-Karriere. Doch vordergründig stand für mich auch fest: Ich wollte mich beweisen, zeigen, dass ich auch unter neuen, härteren Bedingungen bestehen kann. Das gelang mir und im Rückblick bin ich froh, diesen wichtigen und richtigen Schritt gewagt zu haben.

Frage: Sowohl die deutschen Handball-Herren als auch die deutschen Handball-Damen sind in Peking dabei. Sie selbst spielten in den deutschen Olympia-Handball-Teams 1992 und 1996, verfehlten mit dem DHB-Team als Vierte in Barcelona eine Medaille nur knapp. Was verbinden Sie mit dem Ereignis, mit der Sportveranstaltung Olympia ? Was waren für Sie im Rückblick die besonderen olympischen Momente ? Und: Wo gefiel es Ihnen besser – in Barcelona 1992 oder in Atlanta 1996 ?

Andrea Bölk: Olympia ist eine Chance, es ist ein riesiges Glück, wenn man dabei sein kann. Gerade im olympischen Dorf gibt es ein familiäres Miteinander, hier werden die olympischen Ideale und Träume wahrhaft gelebt. Und niemand hat „Star-Allüren“. Wenn es einen „Star“ gibt, dann ist es das gesamte Olympia-Team. Ich war damals richtig stolz, Deutschland bei den Olympischen Spielen repräsentieren zu dürfen. Es war ein intensives Gefühl, das unter die Haut ging. Olympische Atmosphäre erleben zu dürfen, ist ganz einfach einmalig. Sowohl in Barcelona 1992 als auch in Atlanta 1996 hat es mir ungemein gefallen – das waren an sich schon besondere Momente.
Etwas „nagt“ aber noch an meiner „Handball-Seele“ – die unglückliche Halbfinal-Niederlage gegen Korea 1992 (25:26) und die so knapp verpasste Olympia-Medaille …

Frage: Im WM-Jahr 2007 lief es für den deutschen Handballsport überragend. Die Herren wurden Weltmeister, die Damen konnten WM-Bronze erkämpfen. Der Start für beide Teams war in Peking „suboptimal“. Die Herren bezwangen Korea, nach fast ständigem Rückstand, im Auftaktspiel noch, allerdings gab es dann eine Niederlage gegen Island und ein ganz knappes 25:23 gegen Ägypten. Für die Damen besteht nach drei Niederlagen gegen Korea, Ungarn und Schweden, wenngleich gegen die beiden Letztgenannten ganz knapp, nur noch eine „Mini-Chance“ aufs Weiterkommen. Folgt nach der WM-Euphorie 2007 nun die Olympia-Ernüchterung 2008 ?

Andrea Bölk: Man sollte nicht so „schwarz sehen“. Vor den Olympischen Spielen hatte ich insbesondere schon gehofft, die deutschen Mädel schaffen erstmals Gold. Das klingt zwar nach der deutlichen Niederlage gegen Korea und den beiden knappen, unglücklich verlorenen Spielen gegen Ungarn sowie Schweden vermessen, aber in Peking war für die Mädel um Grit Jurack mehr drin. Die Chance auf ein Weiterkommen ist ja nur noch „theoretisch“ … Dass sie mit den Besten der Welt mithalten können, haben sie in der Vergangenheit schon hinreichend bewiesen, denn WM-Bronze kommt ja nicht von ungefähr. Die Niederlage gegen Korea ist hier sicherlich ganz besonders bitter, aber immer bei Olympia sind die Koreanerinnen da, während sie dazwischen einfach „durchhängen“. Dort nutzt man eben die Zeit von Olympia zu Olympia für einen jeweiligen Neuaufbau, nimmt sich Zeit zum Probieren und Einspielen. Seit 1984 sind die Koreanerinnen bei Olympia stets top – das ist schon beeindruckend. Deshalb sollte die herbe Niederlage des deutschen Teams gegen die Koreanerinnen in der Vorrunde nicht überbewertet werden. Knappe Spiele, wie z.B. gegen Ungarn, gibt es halt auch immer wieder. Die Weltspitze ist eben ganz eng aneinandergerückt.
Für die Herren bin ich ebenfalls weiter optimistisch. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Pascal Hens wird es zwar schwierig, aber mit Kampfgeist und Willensstärke kann man vieles wettmachen. Favorit bei den Herren ist allerdings für mich Frankreich.

Frage: Jubeln konnten Sie sehr oft in Ihrer Karriere – mit Wismar, mit Buxtehude, mit Nationalmannschaften. Sie wurden 1993 zusammen u.a. mit Heike Axmann-Dombrowski, auch einer früheren Wismarer Weltklasse-Handballspielerin, Weltmeisterin. Für sie der schönste Erfolg Ihrer Karriere ?

Andrea Bölk: Sie werden es kaum glauben, aber ganz nachhaltig und ganz besonders schön war für mich der DDR-Meistertitel mit Rostock 1989. Wir waren damals eine junge Truppe und spielten ganz begeistert Handball. Ja, dieser Triumph bleibt für mich ein ganz besonderer.
Das WM-Gold zusammen mit Heike war natürlich auch herausragend ebenso wie der Europapokal-Sieg mit Buxtehude 1994

Frage: Die TSG Wismar mußte in der letzten Saison aus der zweiten Bundesliga in die Regionalliga absteigen … Verfolgen Sie noch das Wismarer Handball-Geschehen ? Welche „Ratschläge“ würden Sie der TSG-Trainerin Diana Sperling, früher ebenfalls eine sehr erfolgreiche Handballspielerin, für die neue Spielzeit geben wollen ?

Andrea Bölk: Ich bin fest davon überzeugt, dass Diana meine „Ratschläge“ gar nicht braucht. Sie macht in Wismar einen prima Job und die Erfolge mit der A-Jugend gaben ihr gerade in der letzten Spielzeit Recht. Wismar leistet eine hervorragende Nachwuchsarbeit und die Spielerinnen brauchen nun einmal Zeit, um zu reifen. Insofern kann das eine Jahr in der Regionalliga zum Wiederaufbau genutzt werden, um dann wieder in der zweiten Liga anzugreifen. Luda Yermachek kommt nach ihrer erfolgreichen Schwangerschaft ja zurück ins Team und zusammen mit der jungen Jessica Oldenburg sollte gerade vorne etwas gehen. Ansonsten bin ich immer mal wieder in Wismar zu den Spielen der TSG. Meine Eltern wohnen ja in Wismar und so kann man das eine, den Besuch bei den Eltern, mit dem anderen, „Begutachten“ der handballsportlichen Nachfolgerinnen, gut miteinander verbinden.

Frage: Wie sieht eigentlich Ihr derzeitiges Leben aus ? Immer noch sportlich aktiv ?

Andrea Bölk: Eigentlich, und wirklich „eigentlich“, wollte ich vor zwei Jahren, nach dem Ende meiner Handball-Zeit, einmal die „Seele baumeln lassen“, mal nichts vom Handball sehen oder hören.Aber Pustekuchen. Es kam alles anders. Mein Nachwuchs, Emily (10 Jahre) und Joelle (7 Jahre), hat sich auch dem Handballsport verschrieben und benötigt demzufolge auch eine Chauffeuse zum Training und den Spielen. Und so bin ich wieder jedes Wochenende in „Sachen Handball“ unterwegs.
Aber sportlich fit bin ich noch immer. Ich jogge oder schwimme regelmäßig und spiele auch gern Hallen-Fußball – sportliche Bewegung gehört nun einmal zu einem Sportler-Leben !

Frage: Aber zur Zeit verfolgen Sie doch sicherlich auch Olympia in Peking intensiv – oder ?

Andrea Bölk: Na klar, bei mir läuft von morgens bis abends Olympia-TV. Natürlich gilt mein Interesse den olympischen Handball-Turnieren, aber – da ich Olympia zweimal live erlebte – habe ich auch ein besonderes Verhältnis zu anderen Sportarten. Nicht nur Schwimmen oder Leichtathletik, auch die vermeintlichen Randsportarten interessieren mich. Aber ich bin mir sicher, den olympischen „TV-Marathon“ verkrafte ich bestens.

Frage: Den Bronze-Erfolg vn Stefan Nimke, im Teamsprint, haben Sie dann sicherlich auch gesehen ?

Andrea Bölk: Na klar. Natürlich weiß ich auch, dass es die erste Medaille in Peking für einen Athleten eines Vereines aus M-V war … Stefan Nimke ist ja schon lange dabei und immer „auf den Punkt“ zu klasse Leistungen fähig. Schön, dass es wieder mit olympischem Edelmetall klappte und einen ganz großen Glückwunsch an ihn !

Medaillenspiegel des Olympischen Handballturniers der Frauen 1996-2004

1.Dänemark: 3 x Gold
2.Südkorea: 2 x Gold / 3 x Silber
3.Russland (einschl. UdSSR / GUS): 2 x Gold / 2 x Bronze
4.Jugoslawien: 1 x Gold / 1 x Silber
5.Norwegen: 2 x Silber / 1 x Bronze
6.Ungarn: 1 x Silber / 2 x Bronze
7.DDR: 1 x Silber / 1 x Bronze
8.China: 1 x Bronze
8.Ukraine: 1 x Bronze

Die persönliche Handball-Bilanz von Andrea Bölk bei Olympia

1992: 4.Platz
1996: 6.Platz

Marko Michels

F.Kühne/J.Oldenburg (v.l.)TSG / Jugend> Im September beginnt auch die Regional-Liga-Saison 2008/09 der Handball-Damen der TSG Wismar. Trainerin Diana Sperling und ihr Team um Franca Kühne, Jessica Oldenburg & Co. streben den sofortigen Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga an. Und mit der Begeisterung und Unterstützung der Handball-Fans in ganz Deutschland sollte dieses Unterfangen auch gelingen. In der letzten Woche gab es u.a. ein viertägiges Trainingslager an der Sportschule Güstrow.

F.: A.Bölk/privat (1), M.M. (2)


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