Tom Lehmann strebt bestmögliche Platzierung in Peking an …

Rudern und M-V sowie Rudern und Schwerin – das war gerade bei Olympia stets eine Erfolgsgeschichte.
So gewann der Ruderer Michael Wolfgramm (Doppelvierer) zusammen mit dem Boxer Jochen Bachfeld und der Schwimmerin Andrea Pollack 1976 in Montreal die ersten olympischen Goldmedaillen für die Landeshauptstadt.

Für Peking haben vor allem die Ruderinnen und Ruderer aus Rostock besten Rückenwind, so auch Tom Lehmann zusammen mit Bootskollegen Felix Drahotta im Zweier ohne.

So weit wie möglich nach vorne schieben !

Tom Lehmann über das Team-Work mit Felix Drahotta, die Ziele für Peking und das Relaxen neben der Ruder-Strecke

Frage: Herr Lehmann, Olympia ist nur noch „wenige Ruderlängen entfernt“.
Sie werden zusammen mit Felix Drahotta im Zweier ohne in Peking an den Start gehen. Wie ist die sportliche Harmonie im Boot ? Welche Ziele haben Sie für Olympia ?

Tom Lehmann: Vom Kopf und der Kraft her sind wir beide richtig eingestellt, das was uns nun noch fehlt, sind die technischen Spitzen, die man benötigt, um schnell und effizient im Zweier ohne in der Weltspitze mitzurudern. Wir wollen bei Olympia logischerweise die bestmögliche Platzierung erreichen und uns so gut es geht präsentieren. Welche Platzierung das nun am Ende bedeutet, kann man erst in Peking direkt vor Ort abschätzen.

Frage: Wie sieht die „Schlag-Frequenz“, die Vorbereitung für Olympia, in der verbleibenden Zeit aus ?

Tom Lehmann: In den letzten Wochen vor Olympia werden wir zusammen mit der Männer-Riemenmannschaft im Trainingslager in Breisach noch an den größten technischen Baustellen bei uns im Boot arbeiten, um auch die letzten Quäntchen Geschwindigkeit herauszuholen.
Dann werden wir direkt vor Ort in Peking noch eine knappe Woche haben, um uns mit der Strecke und den Bedingungen vertraut zu machen.

Frage: Teilnahme bei Olympia ist zweifellos „vieles“, aber nicht „alles“.
Was möchten Sie in Peking erreichen ?

Tom Lehmann: Wir haben aus den Worldcups in dieser Saison gelernt und wollen in Peking uns so weit wie möglich nach vorne schieben. Da wir nun unsere Gegnerschaft bereits kennen gelernt haben, können wir wesentlich taktischer an die Rennen herangehen.

Frage: Trotz Olympia-Vorbereitung: Wie entspannen Sie sich am besten ?

Tom Lehmann: Es gibt nichts Besseres als ein gutes Buch oder entspannte Musik um etwas Zerstreuung zu finden.

Marko Michels

Erfolgsstory Rudern – aus Meck-Pomm-Sicht

Rudern war schon 1896, bei den ersten Spielen der Neuzeit, olympisch. Doch die ersten Olympiasieger wurden erst 1900 ermittelt. Die Ruderwettkämpfe 1896 fielen aufgrund der schlechten Witterung aus.
Das wird in Peking mit Sicherheit nicht passieren. Und mit Sicherheit sind auch Ruderinnen und Ruderer aus unserem Bundesland in Peking dabei.
Große olympische Ambitionen hegen die Rostockerinnen bzw. Rostocker Felix Drahotta und Tom Lehmann im Zweier ohne, Nicole Zimmermann (Achter/Zweier ohne), Marie-Louise Dräger (Leichtgewichts-Doppelzweier), Marlene Sinnig (Achter), Mathias Flach (Achter), Stephan Krüger (Doppelvierer) und René Burmeister.

Ribnitzer mit erstem Peking-Ticket …
Marcus Klemp vom Ribnitzer SV, der im Handicap-Vierer 2007 in München-Oberschleißheim Weltmeister wurde, ist für die paralympischen Wettkämpfe bereits qualifiziert. Weitere Mecklenburger oder Vorpommern mit Olympia-Chancen, die zwar aus M-V stammen, aber mittlerweile für andere Vereine starten, sind der Greifswalder Jörg Lehnigk sowie die Schweriner Robert Sens und Philipp Naruhn.

S.BrietzkeDreimal vorn – Rostocker Siegfried Brietzke
Der Rudersport in Mecklenburg-Vorpommern hat aber auch eine olympische Erfolgstradition: So gewann der gebürtige Rostocker Siegfried Brietzke als fünfter Ruderer der Welt dreimal olympisches Gold: 1972 im Zweier ohne, 1976 und 1980 im Vierer ohne.

Erfolgsruderin von der Müritz

Katrin Rutschow-Stomporowski, am 2.April 1975 in Waren/Müritz geboren und 1989 zur KJS des SC Dynamo Berlin delegiert, konnte zunächst 1996 im Doppelvierer olympisches Gold gewinnen. In Athen 2004 war sie Olympia-Erste im Einer.

Goldene Achter-Ruderer aus Mecklenburg!
Athletinnen und Athleten, die zur Zeit ihres Olympia-Medaillengewinnes auch Mitglied eines Ruder-Vereines im heutigen M-V waren, sind die Gold-Ruderer im Achter von 1976 Karl-Heinz Danilowski, Ulrich Karnatz, Werner Klatt, Hans-Joachim Lück sowie Karl-Heinz Prudöhl. In Montreal erkämpfte zudem der Greifswalder Joachim Dreifke Bronze im Einer. Bei den Olympischen Spielen`76 waren übrigens die Damen-Wettbewerbe zum ersten Mal olympisch …
Bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau waren erneut die Achter-Ruderer erfolgreich: Erneut Ulrich Karnatz und Ulrich Kons aus Mecklenburg gewannen Gold. Gold errangen ebenfalls Joachim Dreifke und Klaus Kröppelin im Doppelzweier.
Die olympische Erfolgstradition im Achter setzte der Mecklenburger Weltmeister Hans Sennewald 1992 mit Bronze in Barcelona fort.

K.HaackerRudersportliche „Erfolgswiege“ in Mecklenburg …
Medaillen-Erfolge bei Olympia für Mecklenburger und Vorpommern, die allerdings zu Vereinen außerhalb M-V`s wechselten, gab es – um nur drei Beispiele zu nennen – 1972 im Vierer mit Steuermann für den Rostocker Reinhard Gust bzw. den Bützower Eckhard Martens (beide 1972 beim SC Dynamo Berlin trainierend) und 1988/1992 für die gebürtige Wismaranerin Kathrin Haacker (Mitglied des SC Dynamo Berlin), die Achter-Gold`88 und Achter-Bronze`92 erhielt. Eine olympische Bronzemedaille im Doppelvierer erkämpften 1988 ebenfalls Steffen Zühlke (Schwerin) und Steffen Bogs (Rostock/Schwerin).

Zwischen 1970 und 1995 – Medaillen-Flut für den Rudersport in M-V
Doch auch weitere Ruderinnen und Ruderer mit Geburtsort in M-V waren bei Olympia sehr “medaillenträchtig”: Jana Sorgers aus Neubrandenburg gewann im Doppelvierer/Doppelzweier insgesamt 9 WM-Titel und 2 Olympiasiege 1988/96 (Doppelvierer), Cornelia Linse aus Greifswald holte im Doppelzweier Olympia-Silber 1980 bzw. WM-Gold im Einer 1985, Anke Borchmann aus Neukalen holte 2 WM-Titel 1975/77 und Olympia-Gold 1976, Monika Kallies aus Stralsund war im Achter bei der WM`75 und Olympia`76 mit dem Achter erfolgreich, Silvia Rose aus Barth erruderte im Vierer mit Olympia-Gold 1988, Olympia-Silber 1980 gab es für Heidi Westphal aus Gnoien (mit Cornelia Linse), Michael Wolfgramm (Schwerin) war Gold-Ruderer im olympischen Doppel vierer 1976, nachdem sein “Stadtkollege” Manfred Schneider Olympia-Bronze 1972 im Achter errang.

Unvergessen in M-V sind auch die WM-Erfolge in den 1970er Jahren einer Sabine Brincker oder einer Petra Boesler-Wach, die 1976 Olympia-Zweite bzw. Weltmeisterin 1975/77 wurde und heute erfolgreich eine physiotherapeutische Praxis in Schwerin betreibt.

Bei den WM 1970 errangen Reinhard Gust und Eckhard Martens (Schwerin) WM-Gold im Achter. Sabine Brincker (Schwerin) schaffte das 1974 ebenfalls im Achter und 1975 im Vierer mit. Dreifache Weltmeisterin wurde Sybille Schmidt aus der Landeshauptstadt M-V`s im Doppelvierer von 1989 bis 1991. Als Krönung gab es zusätzlich den Olympiasieg 1992. 1992 gewannen die Schweriner Anett Hohn (Vierer ohne/Bronze) und Thoralf Peters (Vierer mit/Silber) ebenfalls olympische Medaillen. Anett Hohn erruderte von 1989 bis 1991 dreimal WM-Silber im Achter und “Landsfrau” Birka Fengler war auch Vize-Weltmeisterin 1981 im Doppelvierer. Schweriner Ruder-Gold gab es dann noch 1994 durch Doreen Schnell im Achter.

Hans-Jürgen Wüsthoff, der Schweriner “Ruder-Nestor” war 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles sogar Kampfrichter!

N.Zimmermann (2.v.r.)In Peking dürfte die M-V-Flotte 2008 erneut rudersportliche Geschichte schreiben …

Marko Michels