Schweriner Volleyball-Damen „Mannschaft des Jahres 2008“

SeminarEin ereignisreiches Wochenende liegt hinter Schwerin und M-V: Bundeskanzlerin Angela Merkel gab ARD-Journalistin Anne Will ein „tief schürfendes“ Interview, MV-Ministerpräsident Erwin Sellering stieß eine Debatte zur DDR-Vergangenheit an, in Wismar wurde mit Sozialministerin Manuela Schwesig über die „Zukunftsinvestition Kind“ diskutiert, in Neubrandenburg fand der 11.Seglertag M-V statt, in der Landeshauptstadt präsentierten sich Vereine sowie Verbände auf der Ehrenamtsmesse im Fridericianum und ebenfalls in Schwerin wurde intensiv der Endspurt für die letzten Vorbereitungen hinsichtlich des BUGA-Beginns „eingeläutet“ …

Doch „unweit“ Schwerins fand auch eine Gala große Beachtung: Im Radisson SAS Resort Schloss Fleesensee fand bei viel Prominenz aus Gesellschaft, Kultur, Politik, Wirtschaft und natürlich dem Sport die Sportgala 2009 des Landessportbundes M-V mit der Sportlerehrung für das Jahr 2008 statt.

Das Erfreuliche daran, auch Schwerin hatte allen Grund zum Jubeln. Die sympathischen Volleyball-Damen des Schweriner SC wurden dabei Mannschaft des Jahres 2008. Als Sportlerin 2008 wurde die Rostocker Langstreckenschwimmerin Britta Kamrau und als Sportler 2008 der Neubrandenburger Kanu-Rennsportler Andreas Dittmer gekürt.

WR„Stopp!“, mag hier der oberflächliche Sport-Fan meinen. „Bei Olympia holten diese alle doch keine Medaillen ….“.
Ja, es gab andere die anno 2008 olympisches oder paralympisches Edelmetall gewannen, bei WM oder EM Gold holten, in anderen Sportarten, mit viel Einsatz, Engagement und Kampfgeist. Dass diese nun nicht auch noch den sportiven Jahrestitel erhielten, schmälert nicht deren Triumphe 2008 – im Gegenteil. Es wertet sie auf. Einerseits konnten die „normalen“ Sportfans abstimmen, sich einbringen und ihre sportlichen Heldinnen und Helden 2008 bei der Sportlerwahl 2008 wählen.
Andererseits: Mit der Wahl von Andreas Dittmer, Britta Kamrau und den SSC-Schmetterlingen wurden Athletinnen und ein Athlet gekürt, denen im letzten Jahr der ganz große Erfolg versagt blieb, die aber seit Jahren, ja Jahrzehnten die Geschichte in ihren Sportarten maßgeblich mitschrieben.

ADDa ist Andreas Dittmer, seit 20 Jahren ist er einer der beständigsten und vorbildlichsten Sportler nicht nur in MV, sondern auch global betrachtet. Zwei Jahrzehnte bei Olympischen Spielen, bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und im Weltcup stets vorne mit dabei zu sein, oft genug ganz oben gestanden zu haben, das verdient Respekt und Achtung.

Im letzten Jahr gab es nun kein olympisches Edelmetall – „nur“ eine Endlauf-Platzierung. Enttäuschend ?! Nein. Der dreifache Olympiasieger von Atlanta 1996, Sydney 2000 oder Athen 2004 zeigte auch nach suboptimalen Rennen Größe. Keine Ausflüchte, kein Drumherum-Reden, keine Selbstentschuldigungen. Peking mögen sportlich nicht seine Spiele gewesen sein, menschlich betrachtet waren sie es auf jeden Fall.

Oft wird salopp vom „schnellsten Indianer“ gesprochen. Doch es ist eben nicht das Show-Element, das sich mit Andreas Dittmer verbindet. Es ist eher seine Bodenständigkeit, sein Einsatz für den Nachwuchssport, für das Land M-V und seinen Sport, der ihn zu einer echten Leitfigur, einer großartigen Persönlichkeit  werden ließen.
Dass er der erfolgreichste Canadier der jüngeren Sportgeschichte ist, mag das Wichtigste für Sportfunktionäre oder Sport-Politiker sein. Vielmehr als das zählt jedoch die Tatsache, dass Andreas Dittmer authentisch und aufrichtig ist, was für andere vermeintliche Eliten der Gesellschaft leider heutzutage nicht mehr nicht zutreffend ist.

BKWenn einer Sportlerin der Erfolg bei der Sportlerinnen-Wahl des Jahres 2008 zu gönnen war, dann Britta Kamrau. Ihre Tränen nach der verpassten Olympia-Qualifikation Anfang Mai 2008 konnten jedem echten Sportfan fast das Herz zerreißen – und man musste dabei keineswegs ein sportiver Softie sein.

Britta Kamrau bestimmte mehr als ein Jahrzehnt das Langstreckenschwimmen auf diesem Planeten mit. Doch sie bestimmte das Marathon-Schwimmen nicht nur, sie prägte es auch. Die polyglotte Athletin, die mit großem Erfolg Jura studierte, bald ihr Referendariat beginnt, macht auch neben dem „nassen Element“ eine mehr als gute Figur – nicht nur äußerlich, sondern vor allem charakterlich.

BKNach der schlimmsten Niederlage ihres Lebens, wieder zurückzukommen, sich durchzubeißen, die eigene Enttäuschung zu überwinden– das ist schon phänomenal. Bei den EM 2008 nach der verpassten Olympia-Teilnahme die mentale Kraft zu besitzen, überhaupt mitzumachen und dann noch drei Medaillen, davon zweimal Silber, zu gewinnen, so etwas zeichnet eine wirkliche leidenschaftliche Powerfrau aus. Und als sei das noch nicht genug … Bei den ersten Weltcup-Wettbewerben des Jahres 2009 erkämpfte sie gleich zweimal Gold und einmal Silber.

So viel Kampfgeist, so eine Willensstärke hat vor allem zwei Dinge verdient – zu Recht Platz eins bei der Sportlerinnen-Ehrung 2008 und eine erfolgreiche Olympia-Teilnahme 2012.

KKErfolgreiche Olympia-Teilnahmen von möglichst vielen Schwerinerinnen wünscht man sich gerade im Volleyball. Seit 52 Jahren wird beim SC Traktor Schwerin, nun Schweriner SC, erfolgreich Volleyball gespielt. 1962 nahm mit Traute Voss erstmals eine Schwerinerin bei einer Volleyball-WM teil – und es folgten zahlreiche Sternstunden für den Frauen-Volleyballsport „made in Schwerin“. Zwei Europapokalsiege, sieben DDR-Meistertitel, sechs deutsche Meistertitel, EM-Gold und EM-Medaillen für Top- wie für Nachwuchsspielerinnen, sogar Olympiamedaillen 1980 für Schwerinerinnen – das alles steht u.a. auf der Ausbeute der Volleyballerinnen aus der Landeshauptstadt M-V.
SSCBei der WM 1986 wurde die heutige Leiterin des Olympiastützpunktes Schwerin, Dörte Techel, gar zur besten Spielerin gewählt. Frauen-Volleyball und Schwerin – eine einzigartige Erfolgsstory.

SSCIm letzten Jahr belegten die SSC-Damen Platz drei in der Bundesliga – nicht der erhoffte Meistertitel, aber die Bestätigung: „Wir sind immer noch erfolgreich – und können noch mehr !“.

Die Sieger der Sportlerehrung 2008 verdiente Gewinner, weil sie keine Shows abziehen, sondern weil sie Aufrichtigkeit und Einsatz nicht nur in den Sport-Arenen, sondern auch im „normalen Leben“ ebenso bewiesen.

Wie meinte schon Pierre de Coubertin, der große Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit: „Das Wichtigste an den Olympischen Spielen ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme, wie auch das Wichtigste im Leben nicht der Sieg, sondern das Streben nach einem Ziel ist. Das Wichtigste ist nicht, erobert, sondern gut gekämpft zu haben.“

Die Wahl der Sportler/Sportlerinnen des Jahres 2008 – goldrichtig !

M.Michels

F.:

1.Blick auf das Podium bei der Tagung „Hilfe für die Schwächsten …“, mit Sozialministerin Manuela Schwesig, in Wismar. mm

2.Wolfgang Remer, LSB-Präsident, bei der Seglerehrung im Januar 2009 in Wismar. Am Wochenende fand der 11.Seglertag MV in Neubrandenburg und die Sportgala 2009 in Fleesensee statt – sportlicher Großeinsatz also … mm

3.Familie Dittmer: Andreas, „Schwesterchen“ Anja, die erfolgreiche Triathletin, und Vater Klaus, einst selbst erfolgreicher Kanute, beim Olympia-Empfang in Neubrandenburg 2008. Auf der Sportgala 2009 wurde Andreas zugleich für sein sportliches Lebenswerk geehrt. mm

4./5.Bestimmte die Langstrecken-Schwimm-Szenerie der letzten Jahre maßgeblich mit – Britta Kamrau. mm

6.Kristin Kasperski vom SSC-Volleyball-Team. mm

7./8.Viel Einsatz zeigten und zeigen die Volleyball-Damen des SC Traktor Schwerin/Schweriner SC seit Jahrzehnten ! P.Bohne